Ekzeme gehören zu den häufigsten Hauterkrankungen weltweit. In Deutschland leiden etwa 15–20% der Kinder und 3–5% der Erwachsenen an atopischer Dermatitis (Neurodermitis) – der bekanntesten Ekzemform. Doch es gibt noch weitere Typen: seborrhoisches, kontaktekzematöses und dyshidrotisches Ekzem. Alle haben gemeinsam, dass die Hautbarriere gestört ist und eine gezielte Pflege essenziell ist.
Bei Ekzemen ist die Hautbarriere durchlässiger als gesunde Haut. Das Protein Filaggrin, das für die Struktur der Hornschicht verantwortlich ist, ist bei atopischer Dermatitis oft genetisch vermindert. Die Folge:
Die richtige Pflege durchbricht diesen Kreislauf auf drei Ebenen: Barriere-Repair, Entzündungshemmung und Trigger-Vermeidung.
Die Reinigung bei Ekzem-haut muss den Säureschutzmantel (pH 4,5–5,5) erhalten und die ohnehin geschädigte Barriere nicht weiter angreifen.
Richtige Wahl:
INCI-Check – Gute Reiniger für Ekzem-Haut:
Aqua, Cocamidopropyl Betaine, Glycerin,
Coco-Glucoside, Ceramide NP, Ceramide AP,
Phytosphingosine, Sodium Hyaluronate,
Phenoxyethanol
Vermeiden: Sodium Lauryl Sulfate (SLS), Duftstoffe, ätherische Öle, Alkohol.
Die Basistherapie ist der wichtigste Pfeiler der Ekzem-Pflege. Studien zeigen, dass konsequente Emollientien-Anwendung die Anzahl akuter Schübe um bis zu 50% reduzieren kann.
Zentrale Wirkstoffe:
| Wirkstoff | Funktion | Empfohlene Konzentration | |-----------|----------|-------------------------| | Ceramide NP, AP, EOP | Ersatz der fehlenden Hautbarriere-Lipide | In Lipid-Matrix (3:1:1 Ratio mit Cholesterol + Fettsäuren) | | Sheabutter (Butyrospermum Parkii) | Occlusiv + anti-inflammatorisch (Stigmasterol) | 5–20% | | Squalan | Hautähnliches Lipid, nicht komedogen | 2–10% | | Urea | Feuchtigkeitsbinder + Keratolytikum | 5–10% (intakte Haut), 2–5% (akut entzündet) | | Glycerin | Hygroskopischer Feuchtigkeitsbinder | 5–15% | | Colloidal Oatmeal | Anti-Entzündlich, juckreizlindernd | In Cremes oder als Bad |
Anwendung: Mindestens 2× täglich, bei akutem Schub alle 3–4 Stunden nachcremen. Die Regel lautet: Lieber zu viel als zu wenig.
Bei akuten Schüben reicht die Basistherapie allein nicht aus. Folgende Wirkstoffe können entzündungshemmend wirken:
Rezeptfreie Optionen:
Verschreibungspflichtig (nach ärztlicher Verordnung):
| Trigger | Maßnahme | |---------|----------| | Raumluft-Trockenheit | Luftbefeuchter auf 50–60% rel. Feuchte | | Aggressive Textilien | Baumwolle oder Seide direkt auf der Haut | | Waschmittel-Rückstände | Waschmittel für Neurodermitis, zusätzlicher Spülgang | | Stress | Entspannungstechniken, ggf. Psychotherapie | | Nahrungsmittel | Allergietest, ggf. Eliminationsdiät (nur unter ärrtl. Aufsicht) | | Schwitzen | Sofort nach dem Sport duschen und eincremen |
Aqua, Ceramide NP, Ceramide AP, Ceramide EOP,
Cholesterol, Phytosphingosine, Sodium Hyaluronate,
Niacinamide (5%), Glycerin, Squalane,
Butyrospermum Parkii Butter, Urea (5%),
Bisabolol, Panthenol, Colloidal Oatmeal,
Caprylic/Capric Triglyceride,
Cetearyl Alcohol, Glyceryl Stearate,
Phenoxyethanol, Ethylhexylglycerin
Analyse:
Mindestens 2× täglich, bei akutem Schub alle 3–4 Stunden. Die regelrechte Anwendung von Emollientien ist der wichtigste prophylaktische Faktor.
Ja, aber max. 1× täglich, lauwarm, max. 5–10 Minuten. Anschließend innerhalb von 3 Minuten eincremen, um den Feuchtigkeitsverlust zu minimieren („3-Minuten-Regel").
Nein. Ätherische Öle (Lavendel, Teebaum, Pfefferminz etc.) enthalten potenzielle Allergene und Kontaktirritantien. Bei Ekzem-haut sollten sie strikt gemieden werden.
Bei nachgewiesener Nahrungsmittelallergie ja. Eine ungezielte Eliminationsdiät ohne allergologische Abklärung ist jedoch nicht empfehlenswert und kann zu Mangelernährung führen. Etwa 30% der Kinder mit schwerer atopischer Dermatitis haben eine begleitende Nahrungsmittelallergie.
Disclaimer: Dieser Artikel ersetzt keine dermatologische Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden Hautproblemen konsultiere einen Hautarzt.
Obwohl Ekzeme primär eine Hauterkrankung sind, gibt es eine wachsende Evidenz für den Einfluss der Ernährung auf die Krankheitsaktivität:
Etwa 30% der Kinder mit schwerer atopischer Dermatitis haben eine begleitende Nahrungsmittelallergie. Die häufigsten Auslöser:
Wichtig: Keine Eliminationsdiät ohne allergologische Abklärung! Unnötige Diäten können zu Mangelernährung führen.
Die Haut-Psyche-Achse ist bidirektional:
Zahlen:
Therapeutische Ansätze:
PDE4-Inhibitor als topische Creme (2%). Zugelassen ab 3 Monaten. Füllt die Lücke zwischen rezeptfreier Pflege und verschreibungspflichtigen Steroiden.
Anti-IL-31-Antikörper, spezifisch gegen Juckreiz. Zeigte in Studien eine Reduktion des Pruritus um 50% nach 12 Wochen – ein Durchbruch für Patienten, bei denen der Juckreiz das Hauptproblem ist.
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