Akute Urtikaria (Nesselsucht) ist eines der dramatischsten Hautgeschehen, die man erleben kann: Innerhalb von Minuten entstehen stark juckende, erhabene Quaddeln auf der Haut – scheinbar aus dem Nichts. Bis zu 20% der Menschen erleben mindestens einmal in ihrem Leben eine akute Urtikaria. In den meisten Fällen ist sie harmlos und selbstlimitierend – aber sie kann auch lebensbedrohlich werden.
Urtikaria entsteht durch eine Degranulation von Mastzellen in der Haut, die Histamin und andere Mediatoren freisetzen. Das Histamin erweitert die Blutgefäße (Rötung), erhöht die Gefäßdurchlässigkeit (Schwellung) und stimuliert die Nervenenden (Juckreiz).
Symptome:
| Merkmal | Akute Urtikaria | Chronische Urtikaria | |---|---|---| | Dauer | < 6 Wochen | > 6 Wochen | | Häufigste Ursache | Infektion, Medikamente, Lebensmittel | Autoimmun, idiopathisch | | Verlauf | Selbstlimitierend | Chronisch-rezidivierend | | Prognose | Sehr gut | Variabel |
Wenn die Urtikaria von Schwellungen im Gesichtsbereich (Lippen, Zunge, Rachen) oder Atemnot begleitet wird, liegt eine Anaphylaxie vor – ein lebensbedrohlicher Zustand, der sofortige notärztliche Behandlung erfordert.
Warnsignale:
Bei diesen Symptomen: Sofort 112 anrufen!
Second-Generation-Antihistaminika sind die Erstlinienbehandlung:
Bei unzureichender Wirkung: Dosis auf bis zu 4fach der Standarddosis erhöhen (nach Leitlinie). Eine Studie von Staevska et al. (2010) zeigte, dass die 4fache Dosis bei 73% der initial non-responder wirksam war.
Tipp: Levocetirizin 5mg ist das rezeptfreie Antihistaminikum der ersten Wahl bei akuter Urtikaria.
Meist 24-72 Stunden. In manchen Fällen bis zu 6 Wochen (definitionsgemäß noch „akut"). Länger als 6 Wochen = chronische Urtikaria, die dermatologisch abgeklärt werden muss.
Nein. Urtikaria ist eine allergische oder pseudoallergische Reaktion und wird nicht übertragen. Auch wenn sie infektgetriggert ist (z.B. nach einem Virus), ist die Urtikaria selbst nicht ansteckend.
Ja. Stress kann über die Cortisol-Achse Mastzellen aktivieren. Stress-induzierte Urtikaria ist besonders bei chronischer Urtikaria ein wichtiger Faktor.
Bei leichter Urtikaria: Ja. Bei systemischen Symptomen (Fieber, Atemnot, Kreislaufprobleme): Nein. Die Antihistaminika können müde machen – bei Tätigkeiten mit Vigilanzanforderungen (Fahren, Maschinen) beachten.
Urtikaria betrifft die oberflächliche Haut (Quaddeln). Angioödem betrifft tiefer liegendes Gewebe (Schwellung von Lippen, Augenlidern, Zunge). Beide können gleichzeitig auftreten. Ein Angioödem im Rachenbereich ist lebensgefährlich.
Akute Urtikaria ist in den meisten Fällen harmlos und selbstlimitierend. Die evidenzbasierte Erste Hilfe besteht aus Auslöservermeidung, Kühlung und Second-Generation-Antihistaminika (Levocetirizin, Desloratadin). Bei Symptomen einer Anaphylaxie (Gesichtsschwellung, Atemnot) ist sofortige notärztliche Hilfe erforderlich. Die wichtigste Unterscheidung: Akute Urtikaria (< 6 Wochen) vs. chronische Urtikaria (> 6 Wochen) – letztere erfordert eine dermatologische Ursachenklärung.
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