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Patientenverfuegung erstellen: Der vollstaendige Guide

10 Min Lesezeit

Patientenverfuegung erstellen: Der vollstaendige Guide

Eine Patientenverfuegung (frueher: Patiententestament) bestimmt, welche medizinischen Massnahmen du moechtest oder ablehnst, wenn du selbst nicht mehr entscheiden kannst. Seit 2009 ist sie in Deutschland gesetzlich geregelt (BetaBuch BGB Section 1901a).


Was gehoert in eine Patientenverfuegung?

1. Behandlungswunsch bei lebensbedrohlicher Erkrankung

  • Wiederbelebung (Reanimation) ja/nein?
  • Beatmung ja/nein?
  • Kuenstliche Ernaehrung und Fluessigkeitszufuhr?
  • Bluttransfusionen?
  • Dialyse?

2. Schmerztherapie und Palliativversorgung

  • Schmerztherapie auch in Kaufnahme einer Bewusstseinstraebung
  • Wunsch nach palliativmedizinischer Betreuung
  • Wunsch nach Sterbebegleitung

3. Organspende

  • Zustimmung, Ablehnung oder Entscheidung durch Angehoerige

4. Sonstige Wuen

  • Wunsch nachSterben zu Hause vs. Hospiz
  • Religioese Wuensche
  • Bestattungswuensche (separate Verfügung)

Formalia: Wird sie rechtsgueltig?

Voraussetzungen

  1. Volljaehrig und geschaeftsfaehig
  2. Schriftform (handschriftlich ODER maschinell mit eigenhaendiger Unterschrift)
  3. Ort und Datum der Unterschrift
  4. Keine Beglaubigung oder Notar noetig (aber empfohlen!)

Beglaubigung durch Notar

Nicht zwingend, aber: Eine notariell beglaubigte Patientenverfuegung ist besonders beweiskraeftig und kann bei Banken hinterlegt werden.

Aktualisierung

Alle 2–3 Jahre neu datieren und unterschreiben → signalisiert Aktualitaet.


Wo hinterlegen?

  • Zuhause: Gut sichtbar, bekannten Personen mitteilen
  • Bei der Hausarztpraxis: Kopie in der Patientenakte
  • Zentraler Vorsorgeregister (zvr.de): Kostenlos, online
  • Vorsorgepass: Ausdruck fuer die Brieftasche

FAQ

Brauche ich einen Anwalt?

Nein. Es gibt gute Musterformulare (z.B. vom BMJ, der Aeztekammer oder Patientenbeauftragten). Bei komplexen Faellen kann juristische Beratung sinnvoll sein.

Was ist der Unterschied zur Vorsorgevollmacht?

Die Patientenverfuegung bestimmt was medizinisch geschehen soll. Die Vorsorgevollmacht bestimmt wer fuer dich entscheiden darf. Beide ergaenzen sich!

Kann ich sie widerrufen?

Jederzeit, formlos, auch muendlich. Der Widerruf sollte dokumentiert werden.

Was gilt, wenn keine Patientenverfuegung vorliegt?

Der Betreuer oder Bevollmaechtigte muss den "mutmasslichen Willen" ermitteln. Das kann zu Konflikten fuehren → besser selbst entscheiden!


Fazit

Jeder Volljaehrige sollte eine Patientenverfuegung erstellen – am besten zusammen mit einer Vorsorgevollmacht. Sie ist einfach zu erstellen, kostenlos und gibt dir die Kontrolle ueber deine medizinische Behandlung, auch wenn du selbst nicht mehr sprechen kannst.

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