Herzrasen (Palpitationen) ist ein häufiges Symptom – die meisten Menschen erleben es mindestens einmal im Leben. Meist ist es harmlos, manchmal aber warnt es vor einer ernsthaften Herzrhythmusstörung. Dieser Guide hilft, gefährliche von harmlosen Formen zu unterscheiden und klärt, wann sofortige ärztliche Hilfe nötig ist.
Herzrasen beschreibt das subjektive Gefühl eines schnellen, unregelmäßigen oder starken Herzschlags. Objektiv spricht man von:
| Zustand | Herzfrequenz (bpm) | |---------|-------------------| | Ruhe (Erwachsene) | 60–100 | | Schlaf | 40–60 | | Leichte Aktivität | 100–130 | | Sport | 130–180 | | Maximale Frequenz | 220 minus Alter |
Wenn Herzrasen begleitet wird von einem oder mehreren der folgenden Symptome:
Diese Kombination kann auf einen Herzinfarkt, gefährliche Rhythmusstörung (z.B. Kammerflattern) oder Lungenembolie hindeuten.
| Ursache | Mechanismus | Dauer | |---------|-------------|-------| | Koffein (Kaffee, Energy Drinks) | Sympathikus-Aktivierung | Minuten bis Stunden | | Stress, Angst | Adrenalinausschüttung | Minuten | | Körperliche Anstrengung | Normaler Anstieg | Während + nach Belastung | | Große Mahlzeit | Blutfluss-Umverteilung | 30–60 Min | | Alkohol | Sympathikus-Aktivierung | Stunden | | Hormonschwankungen | Östrogeneffekt auf Reizleitung | Zyklusabhängig | | Dehydration | Reduziertes Blutvolumen | Bis zum Ausgleich | | Nikotin | Vasokonstriktion | Während Konsum |
Herzrasen, das kurz dauert (<5 Minuten), durch einen klaren Auslöser erklärbar ist und ohne weitere Symptome auftritt, ist in der Regel harmlos.
Die häufigste relevante Herzrhythmusstörung. Vorhöfe fibrillieren unkoordiniert statt regelmäßig zu kontrahieren.
Merkmale: Komplett unregelmäßiger Rhythmus („irregularly irregular"), oft schneller Puls Risiko: Schlaganfall (5× erhöht), Herzinsuffizienz Prävalenz: ~2% der Gesamtbevölkerung, steigt auf >10% bei >80 Jahren
Plötzlich einsetzende, regelmäßige Tachykardie (150–250 bpm). Oft bei jungen, gesunden Menschen.
Merkmale: Plötzlicher Beginn und plötzliches Ende („on-off"), regelmäßiger Rhythmus Therapie: Vagusmanöver, medikamentös oder Ablation
Regelmäßige, schnelle Vorhofaktion (~300/min), oft mit 2:1-Überleitung (Puls ~150/min).
Zusätzliche Herzschläge, die als „Aussetzer" oder „Doppelschlag" wahrgenommen werden. Meist harmlos, bei häufigem Auftreten (>10.000/24h) abklären.
Hyperthyreose kann Herzrasen verursachen. Siehe: Hyperthyreose Ernährung
Diese Techniken aktivieren den Vagusnerv und können SVT beenden:
In der Regel nein. Nach großen Mahlzeiten wird Blut in den Verdauungstrakt umgeleitet, das Herz kompensiert durch einen schnelleren Schlag. Bei begleitenden Symptomen (Brustschmerz, Atemnot) ärztlich abklären.
Ja. Chronischer Stress aktiviert das sympathische Nervensystem und kann Palpitationen, Extrasystolen und sogar Vorhofflimmern auslösen. Die „Holiday Heart"-Studiengruppe beschrieb erstmals stress- und alkoholassoziiertes Vorhofflimmern.
Leicht erhöhte Herzfrequenz (bis 100 bpm in Ruhe) ist durch das erhöhte Blutvolumen normal. Bei Herzrasen >120 bpm, unregelmäßigem Rhythmus oder Symptomen sofort den Gynäkologen aufsuchen.
Apple Watch und ähnliche Geräte können Vorhofflimmern mit einer Sensitivität von ~80–90% erkennen (Perez et al., 2019, NEJM). Sie sind Screening-Tools, keine diagnostischen Geräte. Bei positivem Befund immer ärztlich bestätigen lassen.
Ventrikuläre Extrasystolen (PVCs) sind bei gesundem Herzen meist harmlos. Bei >10.000 PVCs/24h, struktureller Herzerkrankung oder Symptomen (Schwindel, Synkope) ist eine Kardiologie-Vorstellung erforderlich.
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Herzrasen ist meist harmlos, aber bestimmte Warnsignale erfordern sofortiges Handeln. Bei Brustschmerzen, Atemnot, Schwindel oder Synkope → sofort 112. Bei neu aufgetretenem, anhaltendem oder unerklärlichem Herzrasen → innerhalb von 24 Stunden zum Arzt. Die richtige Diagnostik (EKG, Langzeit-EKG, Echokardiografie) klärt die Ursache schnell und zuverlässig.
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