Neurodermitis (atopische Dermatitis, AD) ist eine chronische entzündliche Hauterkrankung, die mit trockener, juckender und geröteter Haut einhergeht. Im Gesicht betrifft sie typischerweise die Augenlider, den Hals und die Perioralregion. Bei Erwachsenen sind auch Hände und Armbeugen häufig betroffen.
Die Haut bei Neurodermitis hat eine gestörte Barriere: Der Ceramidgehalt ist reduziert, der transepidermale Wasserverlust ist erhöht, und die Haut ist anfälliger für Infektionen (Staphylococcus aureus-Besiedlung). Die Entzündungskaskade wird durch ein Überwiegen von Th2-Immunzellen getrieben.
Im Gesicht ist die Behandlung besonders heikel: Die Haut ist dünner, empfindlicher und kosmetisch sichtbarer. Viele Wirkstoffe, die am Körper wirken, sind im Gesicht zu aggressiv. Die Basispflege wird hier zum wichtigsten Pfeiler der Behandlung.
Ceramide sind der wichtigste Inhaltsstoff bei Neurodermitis. Die Haut von AD-Patienten hat nachweislich einen Mangel an Ceramiden, besonders Ceramid 1 (EOP). Die topische Zufuhr von Ceramiden repariert die Barriere, reduziert den Wasserverlust und verringert die Anfälligkeit für Allergene.
Die optimale Creme enthält: Ceramide NP, EOP, AP + Cholesterol + freie Fettsäuren (im Verhältnis 3:1:1, wie natürlich in der Haut), Urea (5-10%, als Feuchtigkeitsbooster), Niacinamid (4-5%, entzündungshemmend und barrierestärkend).
Auftragen: Mindestens zweimal täglich, bei Schüben alle 2-3 Stunden nachcremen. Auf die noch feuchte Haut nach der Reinigung. Die Creme muss parfümfrei, konservierungsstoffarm und hypoallergen sein.
Produkte, die sich bewährt haben: Eucerin UreaRepair, Cetaphil PRO AD Derma, La Roche-Posay Lipikar AP+M, Dermalex Atopische Dermatitis.
Parfüm und ätherische Öle: Der häufigste Trigger für Schübe. Auch natürliche Duftstoffe können reizen.
Konservierungsstoffe: Methylisothiazolinon (MI), Methylchlorisothiazolinon (MCI) und Formaldehydabspalter sind bekannte Kontaktallergene bei AD-Patienten.
Lanolin (Wollwachs): Häufiges Allergen bei Neurodermitis. Obwohl es ein natürlicher Feuchtigkeitslieferant ist, reagieren viele AD-Patienten allergisch darauf.
Aggressive Reiniger: SLS und SLES zerstören die ohnehin geschwächte Barriere. Nur Syndet-Barren oder milde Tenside verwenden.
PH-untere Produkte: Seifen (pH 9-10) alkalisiert die Haut und zerstört die Barriere. Die Haut hat einen natürlichen pH von 4,5-5,5 — Produkte sollten in diesem Bereich liegen.
Kratzen: Der Juckreiz-Kratz-Kreislauf ist das größte Problem. Nägel kurz schneiden, nachts Baumwollhandschuhe tragen, kühlen statt kratzen.
Bei einem akuten Schub: Die Basispflege verdoppeln. Kühlen (Kühlspray, feuchte Kompressen). Topische Glukokortikoide (Hydrocortison 0,5-1%) kurzfristig auf die entzündeten Stellen — aber nicht länger als 1-2 Wochen im Gesicht, wegen der Hautverdünnung.
Alternativ: Calcineurininhibitoren (Protopic 0,03%, Elidel 1%) sind für die Gesichtshaut besser geeignet als Kortison, da sie die Haut nicht verdünnen. Verschreibungspflichtig.
Nach dem Schub: Die Basispflege konsequent fortsetzen. Die Barriere braucht Wochen bis Monate, um sich vollständig zu erholen. Auch wenn die Haut unauffällig aussieht: weitercremen.
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Die Neurodermitis-Behandlung im Gesicht basiert auf intensiver Basispflege mit Ceramiden und Urea. Konsequent, parfümfrei und hypoallergen. Schübe werden mit abschwellenden Externa behandelt, die Basispflege muss dauerhaft beibehalten werden.
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