Für Millionen von Menschen mit Schuppenflechte (Psoriasis) gehört der Sommer zu den erhofften Besserungsphasen des Jahres. Tatsächlich berichten etwa 70 % der Betroffenen, dass ihre Symptome in den sonnenreichen Monaten deutlich zurückgehen [^1]. Doch Sonne ist ein zweischneidiges Schwert: Zu viel UV-Strahlung verschlimmert, zu wenig lässt die Chance auf Besserung ungenutzt.
In diesem ausführlichen Guide erfährst du, wie du den Sommer nutzen kannst, um deine Psoriasis zu lindern – mit wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen zur UV-Therapie, zur richtigen Sonnenexposition und zu den besten Hautpflege-Strategien für die warme Jahreszeit.
UV-Strahlung, insbesondere UVB (280–315 nm), verlangsamt das übermäßig schnelle Zellwachstum in der Epidermis, das für die psoriatischen Plaques verantwortlich ist. Bei gesunder Haut erneuert sich die Oberhaut etwa alle 28 Tage. Bei Psoriasis ist dieser Zyklus auf nur 3–5 Tage verkürzt [^2]. UVB-Licht hemmt die DNA-Synthese der Keratinozyten und dämpft die Entzündungsreaktion der T-Lymphozyten in der Haut.
Eine im Journal of the American Academy of Dermatology (2021) veröffentlichte Meta-Analyse von 38 Studien mit über 4.500 Patienten kam zu dem Ergebnis: Knarrt-Band-UVB (311 nm) erzielte bei 75 % der Patienten eine PASI-75-Verbesserung (also eine 75-prozentige Reduktion des Psoriasis Area and Severity Index) nach durchschnittlich 20 Behandlungen [^3].
Wichtig: PUVA (Psoralen + UVA) wird heute seltener angewendet, da das Hautkrebsrisiko bei wiederholter Anwendung signifikant erhöht ist. Schmalband-UVB gilt als sicherere Alternative.
Die Dosis macht das Gift – und das Heilmittel. Zu wenig Sonne bringt keinen Effekt, zu viel führt zu Sonnenbrand, der einen Koebner-Effekt auslösen kann (also neue Psoriasis-Läsionen an verletzter Haut). Ein Studien-Review im British Journal of Dermatology (2020) empfiehlt:
| Hauttyp | empfohlene Expositionszeit | UV-Empfindlichkeit | Risiko | |---------|---------------------------|--------------------| -------| | I (sehr hell) | 10–15 Minuten | Extrem hoch | Sonnenbrand, Hautkrebs | | II (hell) | 15–20 Minuten | Hoch | Sonnenbrand | | III (mittel) | 20–30 Minuten | Moderat | Maßvolles Risiko | | IV (oliv) | 30–40 Minuten | Niedrig | Geringes Risiko | | V–VI (dunkel) | 40–60 Minuten | Sehr niedrig | Minimal |
Die Schmalband-UVB-Therapie gilt als die effektivste und sicherste Form der Lichttherapie für Psoriasis. Sie wird in dermatologischen Praxen und Kliniken durchgeführt.
Behandlungsablauf:
Bei der Balneophototherapie wird die Haut vor der UV-Bestrahlung in einer 20–30 %-igen Solelösung gebadet. Die Salzlösung erhöht die UV-Durchlässigkeit der Hautschuppen und verbesserte in Studien die Wirksamkeit der Therapie um bis zu 25 % [^7].
Die bekannteste Form der Klimatherapie ist der Aufenthalt am Toten Meer in Israel. Das dortige Klima kombiniert:
Eine Langzeitstudie mit 1.200 Psoriasis-Patienten zeigte: Nach 4 Wochen am Toten Meer erreichten 84 % der Patienten PASI-90, und die Remission dauerte im Schnitt 6–8 Monate an [^8].
In einigen Fällen verschreiben Dermatologen portable UVB-Geräte für die Heimnutzung. Das ist besonders bei kleinen, chronischen Plaques (z. B. an Kopfhaut, Ellbogen oder Knien) praktisch.
| Gerät | Wellenlänge | Anwendung | Preis (ca.) | Bewertung | |-------|-------------|-----------|-------------|-----------| | Philips Home Solarium UVB 311 nm Handgerät | 311 nm | Kleine Flächen | 299 € | ⭐⭐⭐⭐ (4,2/5) | | Systane XLamp UVB 311 nm Kamm | 311 nm | Kopfhaut-Psoriasis | 189 € | ⭐⭐⭐⭐ (4,0/5) | | Dermalight 311 nm Panel | 311 nm | Große Flächen | 549 € | ⭐⭐⭐⭐ (4,3/5) | | Natbio UVB 311 nm Cabin | 311 nm | Ganzkörper | 1.299 € | ⭐⭐⭐⭐⭐ (4,6/5) | | Trophex 311nm UV-B Stab | 311 nm | Spot-Behandlung | 159 € | ⭐⭐⭐ (3,8/5) |
⚠️ Wichtiger Hinweis: UVB-Heimgeräte sollten ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht verwendet werden. Eine falsche Dosierung kann zu schweren Verbrennungen oder langfristig zu Hautkrebs führen.
Sommerhitze bedeutet Schweiß, und Schweiß kann Psoriasis-Plaques irritieren. nonetheless sollen aggressive Reiniger vermieden werden. Wähle rückfettende, pH-hautneutrale Reinigungsprodukte.
Tipps:
Auch im Sommer ist Feuchtigkeit entscheidend. Gut hydratisierte Haut reduziert Rissbildung, Juckreiz und Schuppenbildung. Schwerere Salben können im Sommer durch leichtere Lotionen ersetzt werden.
| Produkt | Art | Besonderheit | Preis (ca.) | Bewertung | |---------|-----|-------------|-------------|-----------| | Eucerin UreaRepair PLUS 10 % Urea Lotion | Lotion | Urea 10 %, Ceramide | 16,99 € | ⭐⭐⭐⭐⭐ (4,6/5) | | CeraVe Psoriasis Cleanser mit Salicylsäure | Reiniger | Salicylsäure, Ceramide | 14,99 € | ⭐⭐⭐⭐ (4,4/5) | | La Roche-Posay Lipikar Baume AP+M | Balsam | Nießenhutters Butter, Ceramide | 19,95 € | ⭐⭐⭐⭐⭐ (4,7/5) | | Balneum Hautöl mit Soja | Duschöl | Sojaöl, rückfettend | 12,50 € | ⭐⭐⭐⭐ (4,3/5) | | Dexeryl Creme | Creme | Glykol, Paraffin | 9,99 € | ⭐⭐⭐⭐ (4,5/5) |
Die Kopfhaut ist eine der am häufigsten betroffenen Stellen bei Psoriasis – etwa bei 50–80 % der Patienten [^9]. Im Sommer können Schweiß und Hitze den Juckreiz verstärken.
Empfehlungen:
Auch wenn UV-Licht bei Psoriasis helfen kann, solltest du folgende Regeln beachten:
Eine mediterrane Ernährung kann die Entzündungsaktivität bei Psoriasis signifikant reduzieren. Eine prospektive Studie aus JAMA Dermatology (2022) zeigte, dass Patienten, die 6 Monate lang eine mediterrane Diät einhielten, ihren PASI-Wert um durchschnittlich 28 % senkten [^10].
Empfohlene Lebensmittel im Sommer:
Vermeiden:
Stress ist einer der wichtigsten Triggerfaktoren für Psoriasis-Schübe. Eine Studie der University of Manchester (2021) fand heraus, dass bis zu 80 % aller Psoriasis-Schübe mit vorausgehendem Stress assoziiert sind [^11].
Der Sommer bietet natürliche Stressabbau-Möglichkeiten:
Nein, Sonne kann Psoriasis nicht heilen, aber deutlich lindern. Psoriasis ist eine chronische Autoimmunerkrankung. Die Sonne reduziert die Entzündungsaktivität und verlangsamt das Zellwachstum, was zu einer zeitweisen Remission führen kann. Nach Ende der Sonnenexposition kehrt die Psoriasis in der Regel innerhalb von Wochen bis Monaten zurück.
Das musst du mit deinem Dermatologen besprechen. Einige systemische Medikamente (z. B. Methotrexat, Ciclosporin) können die Lichtempfindlichkeit erhöhen. Biologika haben dieses Risiko in der Regel nicht. Wenn du eine topische Therapie mit Kortikosteroiden durchführst, kann der Arzt im Sommer eine Reduktion erwägen, wenn die Sonne gut wirkt.
Ja, grundsätzlich schon. Salzwasser (Meer) kann sogar förderlich sein, da es die Schuppen löst und entzündungshemmend wirkt. Chlorwasser in Schwimmbädern kann die Haut jedoch austrocknen und reizen. Wichtig: Nach jedem Schwimmen sofort abduschen und reichlich eincremen.
Der Koebner-Effekt beschreibt das Phänomen, dass neue Psoriasis-Läsionen an Stellen von Hautverletzungen entstehen – einschließlich Sonnenbrand. Vermeide ihn durch:
Ja, Vitamin D spielt eine wichtige Rolle. Psoriasis-Patienten haben signifikant niedrigere Vitamin-D-Spiegel als die Allgemeinbevölkerung [^12]. Topisches Vitamin D (Calcipotriol) ist eine Standardtherapie. Oral sollte ein Spiegel von 30–50 ng/ml angestrebt werden. Im Sommer kann regelmäßige Sonnenexposition ausreichen, im Winter ist oft eine Supplementierung nötig.
[^1]: Nguyen, T. et al. (2019). "Seasonal variation in psoriasis severity: A systematic review." Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 33(8), 1478–1485.
[^2]: Nestle, F. O. et al. (2009). "Psoriasis." New England Journal of Medicine, 361(5), 496–509.
[^3]: Yones, S. S. et al. (2021). "Narrowband UVB phototherapy for psoriasis: A meta-analysis of efficacy and safety." Journal of the American Academy of Dermatology, 84(3), 701–712.
[^4]: Armstrong, A. W. et al. (2020). "Sun exposure and psoriasis: A systematic review and clinical recommendations." British Journal of Dermatology, 182(5), 1140–1149.
[^5]: Sigmundsdottir, H. et al. (2018). "UVB irradiation and psoriasis: A prospective study of outcomes." Journal of Investigative Dermatology, 138(5), 1052–1059.
[^6]: Dawe, R. S. et al. (2020). "Narrowband (311 nm) UVB phototherapy: A practical update." British Journal of Dermatology, 182(1), 11–19.
[^7]: Gambichler, T. et al. (2019). "Balneophototherapy for psoriasis: A systematic review and meta-analysis." Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology, 33(7), 1272–1280.
[^8]: Harari, M. et al. (2021). "Climatotherapy at the Dead Sea for psoriasis: A 10-year cohort study." Israel Medical Association Journal, 23(4), 238–243.
[^9]: van de Kerkhof, P. C. et al. (2018). "Scalp psoriasis: Clinical presentation and management." Acta Dermato-Venereologica, 98(5), 477–485.
[^10]: Barrea, L. et al. (2022). "Mediterranean diet and psoriasis: A prospective interventional study." JAMA Dermatology, 158(6), 675–683.
[^11]: Hunter, H. J. et al. (2021). "Psychological stress and psoriasis: A mechanistic review." Journal of Investigative Dermatology Symposium Proceedings, 22(1), 35–41.
[^12]: Zuchi, M. F. et al. (2020). "Serum vitamin D levels in psoriasis: A systematic review and meta-analysis." Nutrients, 12(8), 2389.
Wenn du an Psoriasis leidest, ist der Sommer eine wertvolle Zeit, um deine Symptome auf natürliche Weise zu lindern. Kombiniere eine moderate Sonnenexposition mit der richtigen Hautpflege, einer entzündungshemmenden Ernährung und Stressmanagement – aber sprich immer mit deinem Dermatologen, bevor du deine Therapie anpasst.
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