Lesedauer: 14 Minuten | Zuletzt aktualisiert: Juli 2026
PFAS in Kosmetik: Aufklärung, Risiken und Alternativen
PFAS — die sogenannten "Forever Chemicals" — sind inzwischen in Schlagzeilen, regulatorischen Debatten und Verbraucherwarnungen allgegenwärtig. Diese extrem langlebigen Chemikalien finden sich in unzähligen Alltagsprodukten, включая Kosmetik. Sie sorgen für wasserabweisende Mascara, langanhaltende Foundation und fleckenabweisende Lippenstifte. Doch der Preis für diese Bequemlichkeit ist hoch: PFAS reichern sich in Körper und Umwelt an, lassen sich praktisch nicht abbauen und stehen im Verdacht, ernsthafte Gesundheitsrisiken zu bergen. In diesem Guide erklären wir, wo PFAS in Kosmetik stecken, wie du sie erkennst und welche Alternativen es gibt.
Was sind PFAS?
PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen — eine Gruppe von über 12.000 synthetischen Chemikalien, die seit den 1950er Jahren hergestellt werden. Ihre gemeinsame Eigenschaft: Kohlenstoff-Fluor-Bindungen, die zu den stärksten Bindungen in der organischen Chemie gehören. Das macht sie extrem hitzebeständig, wasserabweisend und fettabweisend — Eigenschaften, die sie für industrielle Anwendungen und Verbrauchsprodukte attraktiv machen.
Das Problem: Genau diese Stabilität bedeutet, dass PFAS praktisch nicht abbaubar sind. Sie reichern sich in Wasser, Boden, Tieren und Menschen an. Die Halbwertszeit im menschlichen Körper kann bei einigen PFAS bis zu 8 Jahre betragen. Daher der Begriff "Forever Chemicals".
Warum PFAS in Kosmetik?
In der Kosmetikindustrie werden PFAS hauptsächlich eingesetzt für:
- Wasserfestigkeit: Mascara und Foundation, die auch beim Schwimmen oder Weinen halten
- Lange Haltbarkeit: Lippenstifte, die den ganzen Tag halten ohne nachzufärben
- Glättung: PFAS erzeugen einen gleichmäßigen, seidigen Film auf der Haut
- Fettabweisung: Make-up, das nicht verläuft oder in Hautfalten wandert
- Spreadability: Bessere Verteilbarkeit des Produkts auf der Haut
In welchen Produkten sind PFAS enthalten?
Untersuchungen von Umweltorganisationen und Verbraucherschützern haben PFAS besonders häufig gefunden in:
Am häufigsten betroffen:
- Wasserfeste Mascara (bis zu 70% der getesteten Produkte in einigen Studien)
- Langzeit-Foundation und Concealer
- Lippenstifte und Lipglosse mit Langzeithaltungsversprechen
- Nagellack (besonders mit "Chip-Resistant"-Werbung)
- Highlighter und Bronzer mit "Smudge-Proof"-Werbung
Eine Studie der Universität Notre Dame (2020) fand PFAS in 52% der getesteten Produkte, wobei wasserfeste Mascara und Langzeit-Lippenstifte die höchsten Konzentrationen aufwiesen. Besonders alarmierend: Viele Produkte enthielten PFAS, ohne sie in der INCI-Liste auszuweisen.
PFAS in der INCI-Liste erkennen
Wenn PFAS deklariert werden, finden sie sich in der Zutatenliste unter folgenden Bezeichnungen:
- • PTFE (Polytetrafluorethylen)
- • Perfluorononyl Dimethicone
- • Polyperfluoroethoxylfluoroethyl Dimethicone
- • Perfluorodecalin
- • Perfluorohexane
- • Polyfluoroalkyl Phosphate (PAP)
- • Alle Inhaltsstoffe mit "fluoro", "perfluoro" oder "PTFE"
Tipp: Nutze unseren kostenlosen INCI-Analyse-Scanner, um Produkte automatisch zu prüfen. Markierungen mit "fluoro" im Namen sind eindeutige Warnsignale.
Gesundheitsrisiken von PFAS
Die gesundheitlichen Bedenken bezüglich PFAS sind erheblich und wissenschaftlich gut dokumentiert:
- Lebertoxizität: PFAS reichern sich in der Leber an und können Leberschäden verursachen
- Immunsystem: Reduzierte Antikörperbildung nach Impfungen, erhöhte Infektanfälligkeit
- Schilddrüse: Störung der Schilddrüsenfunktion
- Fruchtbarkeit: Reduzierte Fruchtbarkeit bei Frauen und Männern
- Entwicklung: Entwicklungsstörungen bei ungeborenen Kindern
- Krebs: Erhöhtes Risiko für Nieren- und Hodenkrebs (PFOA als wahrscheinlich krebserregend eingestuft)
- Hormonelles System: Endokrine Disruption, Veränderung des Hormonhaushalts
Besonders besorgniserregend bei Kosmetik: PFAS können über die Haut aufgenommen werden. Studien zeigen, dass bestimmte PFAS — insbesondere die kurzkettigen — die Hautbarriere passieren können.
Die regulatorische Lage
Europäische Union
Die EU ist weltweit Vorreiter bei der PFAS-Regulierung. Unter der REACH-Verordnung läuft ein umfassendes Verbot, das bis zu 10.000 PFAS-Substanzen erfassen würde. Für Kosmetik gilt:
- Perfluorononyl Dimethicone und Perfluorodecalin sind in der EU bereits in Kosmetik verboten
- Das umfassende PFAS-Verbot unter REACH wird voraussichtlich 2027/2028 wirksam
- Die Kosmetikverordnung (EC) No 1223/2009 wird entsprechend angepasst
USA
In den USA haben mehrere Bundesstaaten (Kalifornien, Colorado, Maine, Minnesota, Washington) Gesetze erlassen, die PFAS in Kosmetik verbieten. Kalifornien verbietet ab 2025 die Herstellung und ab 2027 den Verkauf von Kosmetik mit absichtlich zugesetzten PFAS.
PFAS-freie Alternativen
Glücklicherweise gibt es zahlreiche PFAS-freie Alternativen, die ähnliche Ergebnisse liefern:
| PFAS-Effekt | PFAS-freie Alternative |
|---|---|
| Wasserfestigkeit | Carnaubawachs, Candelillawachs, synthetische Polymere (z.B. Acrylates Copolymer) |
| Langer Halt | Silikone (Dimethicone, Cyclomethicone), natürliche Harze |
| Glättung | Hyaluronsäure, Glycerin, Aloe Vera |
| Fettabweisung | Silica, Kaolin-Ton, Reisstärke |
Empfehlenswerte PFAS-freie Marken
Viele Marken positionieren sich jetzt aktiv als "PFAS-free":
- Äarvenaturae: 100% PFAS-frei, zertifizierte Naturkosmetik
- Dr. Hauschka: PFAS-frei seit jeher, kontrolliert biologisch
- RMS Beauty: Clean Beauty, explizit PFAS-frei
- Ilia: Clean Beauty mit PFAS-freier Formulierung
- Kjaer Weis: Luxus-Naturkosmetik ohne PFAS
- Logona: Deutsche Naturkosmetik, BDIH-zertifiziert
Tipp: Suche nach Zertifizierungen wie COSMOS Natural, NaTrue oder BDIH. Diese schließen PFAS kategorisch aus.
So gehst du vor: PFAS-frei einkaufen
- INCI-Liste prüfen: Suche nach "fluoro", "perfluoro", "PTFE" oder "PFC"
- "Wasserfest"-Versprechen hinterfragen: Nicht jedes wasserfeste Produkt enthält PFAS, aber das Risiko ist höher
- Zertifizierungen nutzen: COSMOS, NaTrue, BDIH als Filterkriterium
- Apps nutzen: INCI-Scanner Apps wie unsere BestOfMe INCI-Analyse
- Marken recherchieren: Clean-Beauty-Marken geben oft offen Auskunft über ihre Inhaltsstoffe
Fazit
PFAS in Kosmetik sind ein wachsendes Problem — und gleichzeitig eine der am einfachsten vermeidbaren Belastungen. Mit etwas Aufmerksamkeit für die INCI-Liste, der Wahl zertifizierter Naturkosmetik und Tools wie unserem INCI-Scanner kannst du diese "Forever Chemicals" aus deiner Pflegeroutine verbannen. Die regulatorische Entwicklung zeigt: Die Zukunft der Kosmetik ist PFAS-frei. Wer jetzt umsteigt, ist der Entwicklung voraus.