Lesedauer: 13 Minuten | Aktualisiert: Juli 2026
Allergene in Kosmetik: EU-Kennzeichnungspflicht
Duftstoffe sind die häufigste Ursache für Kontaktallergien durch Kosmetik. Die EU hat reagiert und die Kennzeichnungspflicht drastisch erweitert. Seit Juli 2023 müssen deutlich mehr Duftallergene auf dem Etikett ausgewiesen werden — und seit Juli 2026 gelten die vollständigen Pflichten. Was Sie als Verbraucher wissen müssen, welche Stoffe problematisch sind und wie Sie Allergien vermeiden.
Warum sind Duftallergene ein Problem?
Duftstoffe (Fragrances) sind in fast allen Kosmetikprodukten enthalten — von Cremes über Shampoos bis zu Waschmitteln. Sie verleihen Produkten ihren angenehmen Geruch und verdecken unangenehme Eigengerüche der Rohstoffe. Aber viele Duftstoffe sind potente Allergene.
Die allergische Kontaktdermatitis (Typ IV-Allergie) ist die häufigste Form von Kosmetik-Unverträglichkeiten. Schätzungen zufolge sind bis zu 16% der europäischen Bevölkerung auf mindestens einen Duftstoff sensibilisiert. Bei Frauen ist die Rate höher (häufigere Kosmetikverwendung).
Wichtig: Eine einmal erworbene Duftstoff-Sensibilisierung ist in der Regel lebenslang. Die einzige Therapie ist die konsequente Meidung des Auslösers.
Die 26 klassischen Duftallergene
Seit 2005 schreibt die EU-Kosmetikverordnung die Deklaration von 26 Duftallergenen vor (Anhang III, Nr. 67-92). Diese müssen in der INCI-Liste einzeln aufgeführt werden, wenn sie bestimmte Konzentrationen überschreiten:
- Leave-on-Produkte (Cremes, Seren): ab 0,001% (10 ppm)
- Rinse-off-Produkte (Shampoos, Duschgel): ab 0,01% (100 ppm)
Die 26 klassischen Duftallergene sind:
Verbotene Duftstoffe
Lyral (HICC) wurde 2021 verboten — zu viele Allergien. Lilial (Butylphenyl Methylpropional) wurde 2022 verboten — als reproduktionstoxisch eingestuft. Methyl 2-Octynoate wird derzeit evaluiert.
NEU: 56 zusätzliche Duftallergene (seit 2023)
Wichtige Änderung ab Juli 2026
Die EU-Kommission hat 2023 beschlossen, 56 weitere Duftstoffe in die Kennzeichnungspflicht aufzunehmen. Die Übergangsfrist endet im Juli 2026. Ab dann müssen auch diese Stoffe in der INCI-Liste einzeln aufgeführt werden.
Zu den neuen allergenen Duftstoffen gehören unter anderem:
- Atranol und Chloroatranol — in Eichenmoos-Extrakten (stark allergen)
- Tree moss extracts (Evernia furfuracea)
- Verschiedene Terpen-Mischungen — durch Oxidation allergener
- Benzyl Acetate und Derivate
- Methyl Salicylate in höheren Konzentrationen
Zudem müssen Hydroperoxide von Linalool und Limonen deklariert werden — diese entstehen durch Oxidation (Alterung) der Duftstoffe und sind deutlich allergener als die frischen Substanzen.
Weitere Kosmetik-Allergene (nicht nur Duft)
Konservierungsstoffe
Zweithäufigste Allergengruppe: Methylisothiazolinone (MI) (starkes Allergen, 2017 in Leave-on verboten), Methylparaben, Formaldehyd-Releaser (DMDM Hydantoin), Phenoxyethanol (selten).
Haarfarben (PPD)
p-Phenylendiamin (PPD) ist eines der stärksten Kontaktallergene überhaupt. In dunklen Haarfarben enthalten. Empfehlung: PPD-freie Alternativen oder Pflanzenhaarfarben (Henna).
Metalle
Nickel (in Make-up-Pigmenten), Kobalt, Chrom. Vor allem in dekorativer Kosmetik. EU hat Grenzwerte für Nickel in Kosmetik festgelegt.
Lanolin (Wollwachs)
Natürlicher Stoff, aber bei ca. 1-2% der Bevölkerung allergen. In vielen Cremes und Lippenpflegen.
Wie Sie Allergene erkennen und vermeiden
- INCI-Liste lesen: Suchen Sie nach den Namen der 26 + 56 Duftallergene
- „Parfum"/„Fragrance": Wenn dies allein steht, kennen Sie die genauen Duftstoffe nicht — bei Allergikern riskant
- Unparfümierte Produkte wählen: „Fragrance-free" oder „Ohne Duftstoffe"
- INCI-Decoder nutzen: Kostenloser INCI-Decoder — erkennt Allergene automatisch
- Epikutantest: Beim Hautarzt testen lassen, welche Allergene Sie betreffen
- Produkttagebuch: Notieren Sie, welches Produkt welche Reaktion auslöst
Empfehlungen für Allergiker
Offizielle Quellen
- SCCS — Opinion on Fragrance Allergens
- EU-Kosmetikverordnung 1223/2009 — Anhang III
- Deutsche Gesellschaft für Dermatologie (DDG)
- CosIng-Datenbank
Mehr: EU-Kosmetikverordnung Leitfaden | Sichere Inhaltsstoffe
FAQ
Welche Allergene müssen deklariert werden?
26 klassische seit 2005, 56 neue seit Juli 2023 (vollständig verbindlich ab Juli 2026).
Ab welcher Konzentration?
Leave-on: 0,001%. Rinse-off: 0,01%.
Was ist Kontaktdermatitis?
Eine Hautentzündung durch Kontakt mit allergenen Stoffen — meist Duftstoffe oder Konservierer.
Wie vermeide ich Allergien?
Duftstofffreie Produkte, INCI-Liste prüfen, Epikutantest beim Hautarzt.
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