Lesedauer: 12 Minuten | Zuletzt aktualisiert: Juli 2026
Mikroplastik in Kosmetik: Erkennen & Vermeiden
Mikroplastik in Kosmetik ist ein Umweltproblem ersten Ranges: Allein in Europa gelangen schätzungsweise 4.000 Tonnen Mikroplastik pro Jahr über Kosmetikprodukte ins Abwasser. Die winzigen Plastikpartikel finden sich in Peelings, Duschgels, Zahnpasta, Make-up und sogar in Gesichtscremes. Sie sind oft nicht auf den ersten Blick erkennbar, sondern verstecken sich hinter chemischen Namen. In diesem Guide zeigen wir dir, wie du Mikroplastik in der INCI-Liste erkennst, welche Produkte besonders belastet sind und welche natürlichen Alternativen es gibt.
Arten von Mikroplastik in Kosmetik
Mikroplastik in Kosmetik lässt sich in drei Kategorien einteilen:
1. Primäres Mikroplastik (sichtbar)
Feststoffe unter 5mm, die absichtlich hergestellt und zugesetzt werden: Peelingkügelchen aus Polyethylen in Gesichts- und Körperpeelings, Glitter in Nagellack und Make-up, Farbkügelchen in Duschgelen.
2. Sekundäres Mikroplastik (unsichtbar)
Nanoplastik-Partikel unter 1μm, die als Füllstoffe, Mattierungsmittel oder Trägerpigmente eingesetzt werden. Sie sind mit bloßem Auge nicht sichtbar.
3. Lösliche Polymere ("Liquid Plastic")
Flüssige oder gelöste Kunststoffe wie Polyquaternium-Verbindungen, die als Filmbildner und Conditioner eingesetzt werden. Diese sind technisch gesehen "Mikroplastik-Vorstufen", die sich nicht vollständig abbauen.
Mikroplastik in der INCI-Liste erkennen
Die wichtigsten INCI-Begriffe, die auf Mikroplastik hindeuten:
| INCI-Name | Abkürzung | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| Polyethylene | PE | Peelingkügelchen, Filmbildner |
| Polypropylene | PP | Viskositätsregler |
| Polymethyl Methacrylate | PMMA | Füllstoff, Texturverbesserer |
| Nylon-12 | — | Mattierung, Textur |
| Polyethylene Terephthalate | PET | Glitter, Peeling |
| Acrylates Copolymer | — | Filmbildner, Stabilisator |
| Polyurethane | PUR | Filmbildner |
| Polyquaternium-7/-10/-15 | PQ | Conditioner (Haare/Haut) |
| Carbomer | — | Gelbildner |
| Dimethicone Copolyol | — | Emulgator |
Goldene Regel: Jeder Inhaltsstoff, der mit "Poly" beginnt, sollte genauer geprüft werden. Nutze unseren INCI-Scanner für eine automatische Auswertung.
In welchen Produkten ist Mikroplastik am häufigsten?
- Peelings und Duschgels: Klassische Quelle für PE-Kügelchen
- Zahnpasta: Mikroplastik als Putzkörper und Füllstoff
- Mascara und Eyeliner: Für Haltbarkeit und Textur
- Foundation und Concealer: Als Mattierungsmittel
- Haarpflege: Shampoos und Conditioner mit Polyquaternium
- Sonnencreme: Als Filmbildner und Texturverbesserer
- Lippenstift: Für längere Haltbarkeit
Umweltauswirkungen
Mikroplastik aus Kosmetik ist ein massives Umweltproblem:
- Gewässerbelastung: Kläranlagen filtern nur 90-95% des Mikroplastiks heraus — der Rest gelangt in Flüsse und Meere
- Nahrungskette: Fische und Meerestiere nehmen Mikroplastik auf, das so in die menschliche Nahrungskette gelangt
- Toxintransport: Mikroplastik bindet Umweltgifte wie ein Schwamm und transportiert sie in Organismen
- Akkumulation: Plastik zersetzt sich, verschwindet aber nie vollständig
Wusstest du? Eine einzige Tube Gesichtspeeling kann über 300.000 Mikroplastik-Partikel enthalten. Die EU-Verordnung schätzt, dass jährlich etwa 4.000 Tonnen Mikroplastik aus Kosmetik in die europäische Umwelt gelangen.
Die EU-Mikroplastik-Verordnung
Seit Oktober 2023 gilt in der EU ein schrittweises Verbot von absichtlich zugesetztem Mikroplastik in Kosmetik (REACH-Anhang XVII). Die Umsetzungsfristen:
| Produktkategorie | Verbot ab |
|---|---|
| Rinse-off-Produkte (Peelings, Duschgels) | 2024/2025 |
| Leave-on-Produkte (Cremes, Lotionen) | 2027 |
| Lipprodukte | 2029 |
| Make-up mit Mikroplastik | 2029 |
Natürliche Alternativen
| Mikroplastik | Natürliche Alternative |
|---|---|
| Polyethylen-Peelingkügelchen | Jojobakügelchen, Bambuspulver, Walnussschalen, Zucker |
| Nylon-12 (Mattierung) | Silica, Reisstärke, Kaolin-Ton |
| Polyquaternium (Conditioner) | Honig, Aloe Vera, Leinsamenextrakt |
| Acrylates Copolymer (Filmbildner) | Algenextrakt, Hyaluronsäure |
| Carbomer (Gelbildner) | Xanthan, Agar-Agar, Gummi arabicum |
Tipps für plastikfreie Kosmetik
- Siegel nutzen: BDIH, COSMOS, NaTrue zertifizieren "plastikfrei"
- Apps verwenden: "CodeCheck" oder unseren INCI-Scanner
- Feste Produkte testen: Feste Shampoos und Seifen enthalten selten Mikroplastik
- DIY-Peelings: Kaffeesatz, Zucker-Öl-Mischung, Haferflocken
- Marken prüfen: Viele Naturkosmetik-Marken sind automatisch mikroplastikfrei
Fazit
Mikroplastik in Kosmetik ist ein klassisches Beispiel für unnötige Umweltbelastung: Die Funktionen lassen sich alle mit natürlichen Alternativen erreichen. Mit dem EU-Verbot in Umsetzung und wachsendem Verbraucherbewusstsein ist der Trend klar — die Zukunft der Kosmetik ist plastikfrei. Wer jetzt umsteigt, schützt die Umwelt und profitiert von hochwertigeren, hautfreundlicheren Formulierungen.