Parabene gehören zu den meistdiskutierten Inhaltsstoffen in Kosmetik. Seit 2004, als eine britische Studie Parabene in Brusttumorgewebe nachwies, steht der Verdacht im Raum, diese Konservierungsstoffe könnten hormonell wirken und Brustkrebs fördern. Doch was sagt die Wissenschaft zwei Jahrzehnte später?
Parabene sind Ester der Para-Hydroxybenzoesäure und werden seit den 1920er Jahren als Konservierungsstoffe eingesetzt. Sie sind effektiv gegen Bakterien und Pilze und in Tausenden von Kosmetika enthalten:
Sie kommen auch natürlich vor – z. B. in Blaubeeren und Vanilleschoten [1].
Parabene zeigen in Laborstudien eine schwache östrogene Aktivität – etwa 10.000- bis 100.000-mal schwächer als natürliches Östradiol [2]. Die östrogene Potenz steigt mit der Kettenlänge: Butylparaben > Propylparaben > Ethylparaben > Methylparaben.
Die Studie, die die Debatte auslöste, fand Parabene in 18 von 20 Brusttumorgewebeproben [3]. Aber: Die Studie hatte keine Kontrollgruppe (gesundes Brustgewebe) und konnte keinen kausalen Zusammenhang nachweisen. Spätere Studien fanden Parabene auch in gesundem Gewebe – was darauf hindeutet, dass es sich um eine allgemeine UmwelTEXposition handelt, nicht um ein tumorspezifisches Phänomen.
Tierstudien mit hohen Dosen von Butylparaben zeigten reproduktionstoxische Effekte bei Ratten. Die verwendeten Dosen waren jedoch um ein Vielfaches höher als die menschliche Exposition [4].
| Behörde | Bewertung | |---------|-----------| | SCCS (EU) | Kurzkettige Parabene (Methyl, Ethyl) sicher bis 0,4 %. Propyl- und Butylparaben begrenzt auf 0,14 % | | FDA (USA) | „Kein Grund zur Besorgnis bei aktueller Exposition" | | BfR (Deutschland) | Gesundheitsrisiko durch Parabene in Kosmetik nach derzeitigem Stand unwahrscheinlich [5] | | WHO/Endocrine Society | Anerkennt Potenzial als endokrine Disruptoren, fordert weitere Forschung |
EU-Verbot: Seit 2014 sind fünf Parabene (Isopropylparaben, Isobutylparaben, Phenylparaben, Benzylparaben, Pentylparaben) in Kosmetika verboten [6].
Die durchschnittliche tägliche Paraben-Exposition über Kosmetika wird auf 0,05–0,8 mg/kg/Tag geschätzt. Die akzeptable tägliche Aufnahme (ADI) der EU liegt bei 10 mg/kg/Tag für die Summe der Parabene. Selbst bei intensiver Kosmetiknutzung liegt die Exposition deutlich unterhalb der als sicher geltenden Menge [7].
Kosmetikhersteller verwenden zunehmend alternative Konservierungsstoffe:
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Ja. Die EU-Kosmetikverordnung regelt die zulässigen Parabene und deren Maximalkonzentrationen streng. Fünf Parabene sind komplett verboten, andere sind nur in begrenzten Konzentrationen erlaubt.
Auf der INCI-Liste stehen sie als „...paraben" (Methylparaben, Propylparaben etc.). Seit 2023 müssen in der EU 26 Duftstoffe und bestimmte Konservierungsstoffe gesondert gekennzeichnet werden.
Nein. Chemisch identische Parabene natürlichen Ursprungs (z. B. aus Blaubeeren) haben dieselbe biologische Aktivität wie synthetisch hergestellte. Die Quelle macht keinen Unterschied.
Ja. In der US-amerikanischen NHANES-Studie wurden bei über 90 % der Bevölkerung nachweisbare Parabenspiegel im Urin gefunden [8]. Dies zeigt die allgegenwärtige Exposition, nicht jedoch ein Gesundheitsrisiko.
Quellen:
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