Periorale Dermatitis (PD) ist eine entzündliche Hauterkrankung, die typischerweise rote Papeln, Pusteln und Schuppungen um den Mund, die Nase und manchmal um die Augen verursacht. Sie sieht aus wie Akne, ist aber eine völlig andere Erkrankung.
PD betrifft vor allem Frauen zwischen 20 und 45 Jahren. Die genaue Ursache ist nicht geklärt, aber es gibt klare Trigger: Topische Kortison-Präparate (die häufigste Ursache), übermäßige Hautpflege (zu viele Produkte), fluoridhaltige Zahnpasta, kosmetische Produkte mit Paraffin und Vaseline, hormonelle Veränderungen.
Das Paradoxe: Kortison-Creme hilft kurzfristig, verschlimmert die PD aber langfristig massiv. Wer Kortison absetzt, erlebt einen Rebound-Effekt — die PD kommt doppelt so schlimm zurück.
Die wirksamste Erstbehandlung der perioralen Dermatitis ist die sogenannte Null-Therapie: Alle Hautpflege-Produkte absetzen. Keine Creme, kein Make-up, kein Reiniger, kein Sonnenschutz (stattdessen Hut und Schatten suchen). Nur Wasser zum Waschen.
Das klingt drastisch, ist aber evidenzbasiert. Die Idee: Die Haut soll sich selbst regulieren, ohne externe Einflüsse, die die Entzündung aufrechterhalten. In der Praxis dauert es 2-4 Wochen, bis eine Besserung eintritt. Die ersten Tage können schlimmer werden (Rebound nach Kortison-Absetzer).
Nach Besserung langsam Produkte wieder einführen: Erst einen ultra-milden Reiniger, dann eine parfümfreie, minimalistische Feuchtigkeitscreme. Jeweils 1 Woche zwischen jedem neuen Produkt warten.
Topisch: Metronidazol 0,75-1% Gel oder Creme, zweimal täglich. Wirkt antibakteriell und entzündungshemmend. Der Goldstandard der topischen PD-Behandlung.
Azelaïnsäure 15% Gel: Alternative bei leichter bis mittelschwerer PD. Wirkt entzündungshemmend und antibakteriell.
Pimecrolimus 1% (Elidel): Bei schweren oder rezidivierenden Fällen. Ohne Kortison-bedingte Nebenwirkungen.
Systemisch: Bei schwerer PD: Doxycyclin 40-100mg täglich für 4-8 Wochen. Bei sehr schweren Fällen: Isotretinoin niedrigdosiert. Beides nur unter ärztlicher Aufsicht.
Wichtig: Topisches Kortison ist kontraindiziert! Auch nicht kurzfristig. Es macht die PD auf Dauer schlimmer.
Nach Abheilung: Minimalistische Hautpflege beibehalten. Maximal 3 Produkte: Reiniger, Feuchtigkeitscreme, Sonnenschutz. Keine aktiven Wirkstoffe (keine Säuren, kein Retinol, kein Vitamin C), bis die Haut vollständig stabil ist.
Fluoridfreie Zahnpasta verwenden: Natriumfluorid und Zinnfluorid können perioral irritation verursachen.
Keine okklusiven Produkte: Vaseline, dickere Cremen mit Paraffin und Mineralöl können PD triggern.
SPF mit Zinkoxid statt chemischer Filter: Zinkoxid ist sanfter und hat einen beruhigenden Effekt.
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Periorale Dermatitis erfordert radikale Einfachheit: Null-Therapie, Metronidazol, fluoridfreie Zahnpasta. Kein Kortison, keine aktiven Wirkstoffe, keine okklusiven Produkte. Geduld und Konstanz sind der Schlüssel.
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