Besenreiser (medizinisch: Teleangiektasien) sind feine, sichtbare Blutgefäße direkt unter der Haut – meist an den Beinen. Sie sind harmlos, aber für viele ein kosmetisches Ärgernis, besonders jetzt, wo die Röcke-und-Shorts-Saison noch läuft und der Herbst-Umzug in Strumpfhosen naht. Der Markt für Anti-Besenreiser-Cremes und Venengele ist riesig – aber was hilft wirklich?
Dieser Guide trennt Marketing von Medizin: Welche Wirkstoffe haben Studien hinter sich, was können Gele und Salben leisten (und was nicht), und ab wann nur noch Laser oder Verödung weiterhilft.
Besenreiser sind erweiterte kleinste Blutgefäße (Kapillaren, Venolen) mit 0,1–1 mm Durchmesser, die durch die Haut schimmern – rot bis bläulich-violett. Sie entstehen, wenn die Gefäßwände ihre Elastizität verlieren und sich die winzigen Venen schlängelnd erweitern.
| Faktor | Mechanismus | Einfluss | |---|---|---| | Genetik | Schwaches Bindegewebe wird vererbt | Sehr hoch – häufigste Ursache | | Hormone (Östrogen, Schwangerschaft, Pille) | Gefäßwände werden elastischer/durchlässiger | Hoch | | Langes Stehen/Sitzen | Erhöhter Druck im Venensystem | Hoch | | Übergewicht | Erhöhter Bauchdruck belastet Beinvenen | Mittel | | UV-Licht/Sonnenbrand | Gefäßwände schaden, Couperose an Beinen | Mittel | | Hitze (Sauna, heißes Baden) | Gefäße weiten sich | Gering–mittel | | Alkohol, Rauchen | Gefäßschädigung, Durchblutungsstörungen | Gering–mittel |
Wichtig zu wissen: Besenreiser können Vorboten einer Venenschwäche sein. Bei begleitenden Symptomen (schwere Beine, Schwellungen, Schmerzen, sichtbare Krampfadern) sollte ein Phlebologe abklären, ob eine Veneninsuffizienz dahintersteckt.
Hier die wichtigste Wahrheit vorweg: Keine Creme der Welt entfernt Besenreiser dauerhaft. Einmal erweiterte Gefäße ziehen sich durch lokale Pflege nicht zurück. Aber – und das ist der relevante Teil – gute Wirkstoffe können:
Der Klassiker unter den Venenwirkstoffen. Aescin aus den Samen der Rosskastanie ist in mehreren placebokontrollierten Studien untersucht und wirkt abdichtend auf die Gefäßwände (reduziert die Permeabilität), entzündungshemmend und ödemreduzierend. Es ist der am besten belegte topische Wirkstoff bei Venenbeschwerden – meist als Gel mit 1–2% Aescin.
Heparin-Gels wirken gerinnungshemmend und entzündungshemmend, reduzieren Schwellungen. Gut gegen Schweregefühl; für die reine Optik der Besenreiser ist der Effekt aber begrenzt.
Flavonoid mit gefäßabdichtender Wirkung, ähnlicher Mechanismus wie Aescin. Oft in Kombipräparaten (z. B. mit Vitamin C, das die Kollagensynthese der Gefäßwände unterstützt).
Zieht kurzfristig Blutgefäße zusammen und wirkt leicht abschwellend – Effekt hält aber nur wenige Stunden. Beliebt in Body-Lotions, mehr kosmetisch als therapeutisch.
Beruhigen die Haut, verbessern das Hautbild – aber ohne direkte Venenwirkung.
| Produkt | Wirkstoff(e) | Stärke | Preis (ca.) | Am besten für | |---|---|---|---|---| | Venostasin Rosskastaniensamen-Gel | Aescin 2% | Apothekenüblich | 10–14 € | Klassiker, gut belegt | | Dolo-Citral Venengel | Pflanzenextrakte | Sanft | 9–12 € | Empfindliche Haut | | Lasonil Salbe | Heparin, Hyaluron | Wirksam | 9–13 € | Geschwollene, schwere Beine | | Hirudoid Forte Gel | Mucopolysaccharid 0,5% | Apotheke | 12–16 € | Stärke Schwellungen | | Retterspitz Absolutely Venen-Gel | Rosskastanie, Rossöl | Mild | 12–15 € | tagsüber kühelnd | | Weleda Venengel | Naturkosmetik-Komplex | Mild | 9–12 € | Naturkosmetik-Fans | | Eucerin Hyaluron-Filler + Urea | Hyaluron, Urea | Support | 15–18 € | Trockene Beinhaut glätten |
Anwendungsregel: Venengele 2x täglich von unten nach oben (in Richtung Herz) einmassieren – die Massage selbst unterstützt den Lymphabfluss. Mindestens 4–6 Wochen konsequent anwenden, bevor man ein Urteil fällt.
Wenn es ums Entfernen geht, führt an dermatologischen Verfahren kein Weg vorbei:
Ein Arzt spritzt eine Reizsubstanz (z. B. Polidocanol) in die Besenreiser; die Gefäße verkleben und werden vom Körper abgebaut. Erfolgsrate: 50–90% pro Sitzung, Kosten ca. 150–400 € pro Sitzung (Kasse zahlt bei rein kosmetischen Besenreisern nicht). Für feinste Äderchen gibt es die Schaum- und Mikro-Sklerotherapie.
Lichtenergie verschließt die Gefäße ohne Spritzen. Ideal für feinste Teleangiektasien und Patienten mit Nadel-Aversion. Braucht oft 2–4 Sitzungen; Sofort-Schwellungen sind normal. Kosten: 100–300 € pro Sitzung.
Feinste Nadelelektrode verschließt einzelne Gefäße punktgenau. Gute Ergänzung, wenn Laser und Sklerosierung an Grenzen stoßen.
Vorteil der Kombination: Viele Phlebologen kombinieren Verödung + Abschlusslaser für die feinsten Restgefäße. Größere Krampfadern müssen zuerst behandelt werden – sonst kommen die Besenreiser zurück.
Vitamin C (Kollagen der Gefäßwände), Rutin/Buchweizen, Omega-3-Fettsäuren und ausreichend Wasser. Salzarm kochen gegen Wassereinlagerungen.
Nein. Cremes und Gele stärken die Gefäßwände und können Rötungen abschwächen, aber bereits erweiterte Gefäße verschwinden dadurch nicht. Dauerhaft entfernen lassen sich Besenreiser nur durch Verödung (Sklerotherapie) oder Laser beim Phlebologen.
Aescin aus Rosskastanien ist der am besten untersuchte topische Venenwirkstoff. Studien zeigen eine Reduktion von Ödemen und Schweregefühl. Für die reine Optik der Besenreiser ist der Effekt jedoch gering – gedacht ist das Gel eher zur Linderung und Vorbeugung.
Eine Sklerotherapie-Sitzung kostet etwa 150–400 €, Laserbehandlungen etwa 100–300 € pro Sitzung. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten nur bei medizinischer Notwendigkeit (z. B. symptomatischer Veneninsuffizienz) – nicht bei rein kosmetischen Besenreisern.
Besenreiser selbst sind harmlos. Sie können aber Ausdruck einer chronischen Venenschwäche sein. Bei Schmerzen, Schwellungen, Hautveränderungen oder braunen Verfärbungen sollte ein Phlebologe per Ultraschall abklären, ob Krampfadern (Varizen) vorliegen.
Herbst und Winter sind ideal: Nach Verödung/Laser sollten die behandelten Beine einige Wochen vor intensiver Sonne geschützt werden (UV fördert Pigmentflecken nach Behandlung). Wer jetzt im Spätsommer startet, ist bis zum nächsten Sommer makellos.
Nicht ästhetisch – aber sie entlasten das Venensystem, lindern Schweregefühl und beugen neuen Besenreisern vor. Nach ärztlichen Verödungen werden Kompressionsstrümpfe meist für einige Wochen zur besseren Heilung verordnet.
Die verödeten Gefäße sind dauerhaft verschlossen. Aber bei bestehender Venenschwäche können neue Besenreiser entstehen – deshalb sind regelmäßige Bewegung und ggf. Behandlung der Grunderkrankung wichtig.
Cremes und Gele gegen Besenreiser sind keine Entferner, sondern Unterstützer: Aescin (Rosskastanie), Heparin und Rutoside stärken die Gefäßwände, reduzieren Schwellungen und bremsen die Progression – bei konsequenter Anwendung über Wochen. Wer seine Besenreiser dauerhaft loswerden will, kommt um Verödung oder Laser beim Phlebologen nicht herum. Die gute Nachricht: Beide Verfahren sind routiniert, schnell und in 1–4 Sitzungen erledigt. Der Herbst ist dafür der perfekte Zeitpunkt.
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