Keratin ist das Strukturprotein des Haares – es macht ca. 85–90% des Haarshafts aus. Kein Wunder, dass Keratin als Wirkstoff in Haarpflegeprodukten allgegenwärtig ist. Doch zwischen „Keratin" auf der Verpackung und „Keratin" in der Wissenschaft liegen Welten.
Das Haar besteht hauptsächlich aus α-Keratin – einem Faserprotein, das in Intermediate Filaments (Zwischenfilamente) organisiert ist. Diese Filamente werden durch Disulfidbrücken (Cystin-Brücken), Wasserstoffbrücken und Ionenbindungen zusammengehalten.
Die Stärke und Struktur des Haares hängt direkt von der Integrität dieser Bindungen ab:
Echtes Keratin (intaktes Protein, >40 kDa) ist zu groß, um in den Haarschaft einzudringen. Was in Pflegeprodukten verwendet wird, sind:
⚠️ Warnung: Traditionelle Brazilian Blowouts enthalten Formaldehyd – einen bestätigten Karzinogen. Formaldehydfreie Alternativen verwenden Glyoxal oder andere Vernetzer, sind aber weniger effektiv.
Formaldehydhaltige Behandlungen: Ja, bei wiederholter Exposition. Formaldehydfreie Alternativen: Generell sicher, aber weniger effektiv.
Ja, OTC-Kuren mit hydrolysiertem Keratin sind sicher und einfach anzuwenden. Professionelle Glättungen sollten im Salon durchgeführt werden.
Bei geschädigtem Haar: 1–2 Mal pro Woche. Bei gesundem Haar: 1 Mal pro Woche oder seltener. Zu viel Protein kann das Haar spröde machen.
Nein. Keratin-Pflege wirkt auf den Haarschaft, nicht auf die Haarwurzel. Für Haarausfall sind andere Interventionen nötig.
Keratin repariert die Struktur. Hyaluronsäure spendet Feuchtigkeit. Bei geschädigtem Haar: Keratin. Bei trockenem Haar: Hyaluronsäure. Ideal: Beides abwechselnd.
Ja. Ein zu hoher Proteinanteil kann das Haar spröde und starr machen. Ausgewogene Pflege mit Protein UND Feuchtigkeit ist optimal.
Keratin-Haarkuren mit hydrolysiertem Keratin sind eine wissenschaftlich fundierte Option zur temporären Verbesserung der Haarqualität – besonders bei geschädigtem Haar. Die Wirkung ist rein äußerlich und beeinflusst nicht das Haarwachstum. Für langanhaltende Glättung sind professionelle Behandlungen wirksamer, erfordern aber eine Abwägung der toxikologischen Risiken.
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