„Parfum" – dieses eine Wort in der INCI-Liste kann bis zu 100 verschiedene chemische Verbindungen verbergen. Duftstoffe sind die häufigste Ursache für Kontaktallergien in Kosmetika und gleichzeitig die emotional am stärksten verteidigte Inhaltsstoffgruppe. Die Industrie argumentiert: „Ohne Duft kauft niemand das Produkt." Die Dermatologie argumentiert: „Duftstoffe sind medizinisch unnötig und potenziell schädlich."
In diesem Guide betrachten wir das Thema wissenschaftlich und ausgewogen.
Duftstoffe sind die häufigste Ursache für kontaktallergische Reaktionen auf Kosmetika (SCCS, 2012). In Europa reagieren etwa 1–3% der Bevölkerung allergisch auf mindestens einen Duftstoff. Die Prävalenz steigt.
Die EU-Kosmetikverordnung schreibt vor, dass 26 bekannte allergene Duftstoffe in der INCI-Liste einzeln aufgeführt werden müssen, wenn sie bestimmte Konzentrationen überschreiten. Zu den wichtigsten gehören:
Natürliche ätherische Öle sind nicht sicherer als synthetische Duftstoffe. Im Gegenteil: Sie enthalten oft eine komplexe Mischung allergener Verbindungen. Lavendelöl enthält z.B. Linalool und Linalylacetat – beides bekannte Allergene.
Die SCCS-Bewertung (2012) kam zu dem Schluss: „Es gibt keinen wissenschaftlichen Grund, natürliche Duftstoffe als sicherer einzustufen als synthetische."
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Nein. Es gibt keine Evidenz dafür, dass Kosmetik-Duftstoffe bei topischer Anwendung krebserregend sind. Die Sorge betrifft ausschließlich Allergien und Irritationen.
Aus kommerziellen Gründen: Studien zeigen, dass Konsumenten parfümierte Produkte als „luxuriöser" und „wirksamer" wahrnehmen. Duft ist ein emotionaler Kaufauslöser.
Nicht immer. „Ungparfümiert" kann bedeuten, dass keine wahrnehmbaren Duftstoffe zugesetzt wurden, aber maskierende Duftstoffe enthalten sein können, die den Eigengeruch der Rohstoffe überdecken. „Ohne Duftstoffe" oder „fragrance-free" ist verlässlicher.
Einige Duftstoffe haben antioxidative oder antimikrobielle Eigenschaften (z.B. Rosmarinextrakt). In der Praxis sind diese Effekte in Kosmetika aber vernachlässigbar – die Konzentrationen sind zu niedrig.
Nicht im engeren Sinne. Eine einmal etablierte Sensibilisierung bleibt meist ein Leben lang bestehen. Die Behandlung besteht in der Meidung des auslösenden Duftstoffs.
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Duftstoffe in Kosmetik sind medizinisch unnötig, emotional aufgeladen und wissenschaftlich dokumentiert als häufigste Ursache von Kontaktallergien. Die Empfehlung der Dermatologie ist klar: Wähle parfümfreie Produkte, besonders für empfindliche Haut und die Augenumgebung. Natürlich ist nicht sicherer als synthetisch. Informiere dich – deine Haut wird es dir danken.
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