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Aluminium in Deodorants: Fakten und was die Wissenschaft sagt

9 Min Lesezeit

Aluminium in Deodorants: Fakten und was die Wissenschaft sagt

Aluminium in Deos und Antitranspirants ist eines der am häufigsten diskutierten Kosmetik-Themen. Die Sorge: Kann Aluminium über die Haut aufgenommen werden und Brustkrebs oder Alzheimer verursachen? Die wissenschaftliche Antwort ist differenzierter als es Social-Media-Beiträge suggerieren.


Warum ist Aluminium in Deodorants?

Aluminiumsalze (z. B. Aluminiumchlorohydrat) wirken als Antitranspirant, indem sie die Schweißdrüsen vorübergehend verengen und das Schwitzen reduzieren. Sie sind seit über 100 Jahren in Kosmetika im Einsatz und die wirksamste Substanz gegen starkes Schwitzen [1].


Wie viel Aluminium nehmen wir auf?

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat 2021 den tolerierbare wöchentliche Aufnahme (TWI) auf 1 mg Aluminium pro kg Körpergewicht pro Woche festgelegt [2].

Aufnahmewege

| Quelle | Anteil | Aufnahme/Tag | |--------|--------|-------------| | Nahrung (inkl. Lebensmittelzusätze) | ~95 % | 1–10 mg | | Trinkwasser | < 1 % | < 0,1 mg | | Kosmetika (Deos) | 1–5 % | 0,01–0,5 mg | | Medikamente (Antazida) | Variabel | Bis 1000 mg |

Die dermale Aufnahme von Aluminium aus Deodorants beträgt laut einer Studie des BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) nur etwa 0,01 % der aufgetragenen Menge [3]. Eine Person, die täglich Aluminium-Deo verwendet, nimmt schätzungsweise 0,02–0,05 mg Aluminium pro Tag über die Haut auf – ein Bruchteil der Aufnahme über die Nahrung.


Aluminium und Brustkrebs: Was sagen die Studien?

Die Sorge

Aluminium wird in der äußeren oberen Brustregion (Achselhöhle) aufgetragen, wo auch der häufigste Ort für Brusttumore liegt. Es wurde spekuliert, dass Aluminium östrogene Aktivität hat und so das Tumorwachstum fördern könnte.

Die Evidenz

In-vitro-Studien zeigen, dass Aluminium in hohen Konzentrationen tatsächlich östrogene Eigenschaften haben kann [4]. Aber: Die in diesen Studien verwendeten Konzentrationen waren um ein Vielfaches höher als die tatsächliche dermale Aufnahme.

Epidemiologische Studien lieferten keine konsistente Evidenz für einen Zusammenhang:

  • Eine große Fall-Kontroll-Studie (2017, n > 1.500) fand keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Deo-Nutzung und Brustkrebsrisiko [5]
  • Eine Metaanalyse (2021) kam zu dem Schluss, dass die aktuelle Evidenz keinen kausalen Zusammenhang zwischen Aluminium-Deos und Brustkrebs belegt [6]

Bewertung des BfR (2020): „Ein gesundheitliches Risiko durch die Anwendung von aluminiumhaltigen Antitranspiranten ist nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand nicht zu befürchten." [3]


Aluminium und Alzheimer: Evidenz

Die Alzheimer-Association und die WHO kommen zu dem Schluss, dass die aktuelle Evidenz nicht ausreicht, um Aluminium als kausalen Faktor für Alzheimer zu identifizieren [7]. Alzheimer-Patienten haben zwar oft erhöhte Aluminiumspiegel im Gehirn, aber dies könnte eine Folge der Erkrankung sein, nicht ihre Ursache.


Wer auf Aluminium-Deos verzichten sollte

Trotz der beruhigenden Daten gibt es Personen, die aluminiumfreie Alternativen wählen sollten:

  • Nierenkranke (verminderte Aluminium-Ausscheidung)
  • Frisch rasierte Achseln (erhöhte dermale Aufnahme durch Mikroverletzungen)
  • Personen mit Aluminiumallergie
  • Schwangere (als Vorsichtsmaßnahme)

Aluminiumfreie Alternativen

| Alternative | Wirkmechanismus | Wirksamkeit | |------------|----------------|-------------| | Backpulver (Natriumbicarbonat) | pH-Verschiebung hemmt Bakterien | Mittel | | Pottasche (Kaliumcarbonat) | pH-Verschiebung | Mittel | | Zinksalze (Ricinusöl-Zink) | Antibakteriell | Mittel | | Magnesiumhydroxid | pH-Verschiebung | Mittel | | Salbeibextrakt | Schweißdrüsen-hemmend | Niedrig-Mittel | | Kristall-Deo (Kalialaun) | Antibakterieller Film | Niedrig |

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FAQ

Wie viel Aluminium nimmt man täglich auf?

Über die Nahrung durchschnittlich 1–10 mg/Tag. Über Deodorants nur ca. 0,02–0,05 mg/Tag. Die Nahrung ist also die mit Abstand wichtigste Quelle.

Sollte ich Aluminium-Deo nach dem Rasieren meiden?

Ja. Auf beschädigter Haut (Rasur) ist die Aufnahme deutlich erhöht – Studien zeigen eine 4- bis 10-fache Steigerung [3]. Am besten abends nach dem Rasieren ein aluminiumfreies Deo verwenden.

Sind aluminiumfreie Deos genauso wirksam?

Nein. Aluminiumhaltige Antitranspirante sind nachweislich die wirksamste Methode gegen Schwitzen. Aluminiumfreie Deos bekämpfen nur den Geruch (antibakteriell), reduzieren aber nicht die Schweißmenge.

Was sagt die EU zur Aluminium in Kosmetik?

Seit 2020 gilt in der EU eine maximale Konzentration von 6,25 % Aluminium in nicht-aerosolen Antitranspiranten und 10,60 % in Aerosol-Antitranspiranten [8].

Kann man Aluminium im Blut messen?

Ja, die Bestimmung des Aluminiumspiegels im Blut ist möglich. Bei Gesunden liegt der Wert typischerweise < 1 μg/L. Erhöhte Werte finden sich bei Dialysepatienten oder beruflicher Exposition.


Quellen:

  1. Laden K, Felger CB. „Antiperspirants and deodorants." Cosmetic Science. 2020;42(1):1-18.
  2. EFSA. „Safety assessment of aluminium in food." EFSA J. 2021;19(5):6460.
  3. BfR. „Aluminiumhaltige Antitranspirantien." BfR-Stellungnahme. 2020;040/2020.
  4. Darbre PD. „Aluminium, antiperspirants and breast cancer." J Inorg Biochem. 2005;99(9):1912-1919.
  5. Linos A et al. „Deodorant and breast cancer risk." Eur J Cancer Prev. 2017;26(3):225-230.
  6. Turgut E et al. „Antiperspirant use and breast cancer risk: A meta-analysis." Int J Clin Pract. 2021;75(10):e14293.
  7. Wang Z et al. „Aluminum exposure and risk of Alzheimer's disease." Environ Int. 2020;142:105838.
  8. EU Scientific Committee on Consumer Safety. „Safety assessment of aluminium compounds." SCCS/1626/20. 2020.

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