Allergietest Hautarzt: Der komplette Ablauf erklärt

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Allergietest Hautarzt: Der komplette Ablauf erklärt

Wenn deine Haut regelmäßig mit Rötungen, Juckreiz, Schwellungen oder Ausschlägen reagiert, liegt der Verdacht auf eine Allergie nahe. Der Hautarzt kann mit spezifischen Tests herausfinden, welcher Auslöser (Allergen) die Reaktion verursacht. Doch welche Tests gibt es? Wie laufen sie ab? Und wie bereitest du dich vor?

In diesem Guide erklären wir dir die drei wichtigsten Allergietest-Methoden und was du beim Hautarzt erwartet.


Die drei wichtigsten Testmethoden

1. Pricktest (Haut-Pricktest)

Wofür: Typ-I-Allergien (Soforttyp) – Heuschnupfen, allergisches Asthma, Nahrungsmittelallergien, Insektengiftallergien.

Ablauf:

  1. Der Unterarm oder Rücken wird gereinigt
  2. Tropfen mit verschiedenen Allergenextrakten werden auf die Haut gesetzt
  3. Mit einer feinen Lanzette wird die Haut durch jeden Tropfen leicht angeritzt („geprickt")
  4. Nach 15–20 Minuten wird die Reaktion abgelesen

Bewertung: Eine Quaddel (Wheal) > 3mm Durchmesser gilt als positive Reaktion. Der Pricktest ist schnell, schmerzarm und hochspezifisch.

Vorbereitung: Antihistaminika 5–7 Tage vor dem Test absetzen (sonst falsch-negativer Befund).

2. Epikutantest (Pflastertest)

Wofür: Typ-IV-Allergien (Spättyp) – Kontaktallergien (Duftstoffe, Metalle, Konservierungsstoffe, Pflanzen).

Ablauf:

  1. Kleine Kammern mit Testsubstanzen werden auf den Rücken geklebt
  2. Die Kammern bleiben 48 Stunden auf der Haut
  3. Erste Ablesung nach 48 Stunden (Pflaster wird entfernt)
  4. Zweite Ablesung nach 72 Stunden
  5. Eventuell dritte Ablesung nach 96 Stunden

Bewertung: Die Reaktion wird nach einer standardisierten Skala bewertet:

  • ± : Fragliche Reaktion (nur Rötung)
    • : Schwache Reaktion (Rötung + leichte Schwellung)
  • ++ : Starke Reaktion (Rötung + Bläschen)
  • +++ : Sehr starke Reaktion (ausgebreitete Bläschen/Nekrose)

Der Standard-Block: Der deutsche Standard-Epikutantest umfasst 26 Substanzen, die ca. 80% der häufigsten Kontaktallergene abdecken (DKG-Standardreihe).

Vorbereitung: Cortison-haltige Cremes im Testbereich 1–2 Wochen vorher absetzen.

3. Bluttest (IgE-Bestimmung)

Wofür: Typ-I-Allergien – als Ergänzung zum Pricktest oder wenn ein Hauttest nicht möglich ist.

Methoden:

  • Gesamt-IgE: Gibt den allgemeinen Allergie-Status an (nicht spezifisch)
  • Spezifisches IgE: Misst IgE-Antikörper gegen bestimmte Allergene (z.B. Birkenpollen, Hausstaubmilbe)
  • Komponenten-basiertes IgE (CRD): Misst IgE gegen spezifische Proteinkomponenten eines Allergens (z.B. Pru p 1 bei Birkenpollen-assoziiertem Pfirsich-Allergiesyndrom)

Vorteile: Nicht durch Medikamente beeinflussbar, auch bei Hauterkrankungen möglich. Nachteile: Teurer als Hauttests, Ergebnis nach mehreren Tagen.


Der typische Ablauf beim Hautarzt

1. Anamnese (Erstgespräch)

Der Arzt fragt nach:

  • Art und Dauer der Symptome
  • Zeitpunkt des Auftretens (saisonal? nach Kontakt?)
  • Bisherige Behandlungen
  • Bekannte Allergien
  • Berufs- und Hobby-Exposition
  • Familienanamnese (Allergien in der Familie)

2. Wahl der Testmethode

Basierend auf der Anamnese wählt der Arzt:

  • Pricktest: bei Soforttyp-Verdacht
  • Epikutantest: bei Kontaktallergie-Verdacht
  • Bluttest: als Ergänzung oder Alternative
  • Kombination: bei unklarer Symptomatik

3. Testdurchführung

Je nach Methode: 30 Minuten (Pricktest) bis 4 Tage (Epikutantest).

4. Ergebnisbesprechung

Der Arzt interpretiert die Ergebnisse im Kontext der Anamnese und empfiehlt:

  • Meidungsstrategien
  • Allergen-spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) bei Typ-I-Allergien
  • Alternative Produkte bei Kontaktallergien

FAQ: Häufig gestellte Fragen

Ist der Allergietest schmerzhaft?

Der Pricktest ist minimal unangenehm (wie ein kleiner Kratz). Der Epikutantest ist schmerzfrei. Der Bluttest beinhaltet eine normale Blutabnahme.

Wie viel kostet ein Allergietest?

Bei medizinischer Notwendigkeit: Krankenkasse übernimmt. Ohne Notwendigkeit (selbst gewünscht): ca. 30–100€ für Pricktest, 50–200€ für Epikutantest.

Wie lange dauert es bis die Ergebnisse vorliegen?

Pricktest: 15–20 Minuten. Bluttest: 3–7 Tage. Epikutantest: 72–96 Stunden (inklusive mehrerer Termine).

Kann ich den Test auch ohne Überweisung machen?

Ja, du kannst direkt zum Hautarzt gehen. Bei gesetzlich Versicherten ist eine Überweisung nicht zwingend erforderlich, aber der Arzt kann den Test als IGEL-Leistung anbieten, wenn keine medizinische Notwendigkeit besteht.

Können Allergien wieder verschwinden?

Ja, besonders bei Kindern. Etwa 70–80% der Kinder mit Kuhmilch- oder Ei-Allergie verlieren ihre Allergie bis zum Schulalter. Erwachsene-Allergien sind meist persistierend.


Fazit

Der Allergietest beim Hautarzt ist ein gut etabliertes, sicheres Verfahren zur Identifikation von Allergieauslösern. Der Pricktest deckt Soforttyp-Allergien ab, der Epikutantest Kontaktallergien. Die richtige Vorbereitung (Medikamentenpause) ist entscheidend für aussagekräftige Ergebnisse.

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