SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth) beschreibt eine krankhafte Vermehrung von Bakterien im Dünndarm – einem Abschnitt des Verdauungstrakts, der normalerweise relativ keimarm ist. Während der Dickdarm Billionen von Bakterien beherbergt, enthält der Dünndarm gesundheitsweise nur 10³–10⁴ Kolonie-bildende Einheiten (KBE) pro Milliliter. Bei SIBO steigt diese Zahl auf 10⁵ KBE/ml oder mehr.
Die Prävalenz wird auf 6–15% der Allgemeinbevölkerung geschätzt – bei IBS-Patienten sogar auf 30–85%. SIBO ist somit eine der am meisten übersehenen Ursachen chronischer Verdauungsbeschwerden.
| Typ | Gas | Dominante Bakterien | Häufigkeit | |-----|-----|---------------------|------------| | Wasserstoff-SIBO (H₂-SIBO) | H₂ | Escherichia, Klebsiella, Streptococcus | ~70% | | Methan-SIBO (früher IMO) | CH₄ | Methanobrevibacter smithii (Archaeen) | ~30% | | Schwefelwasserstoff-SIBO | H₂S | Desulfovibrio, Fusobacterium | In Erforschung |
Die Unterscheidung ist wichtig, da die Therapie sich unterscheidet: Methan-SIBO spricht besser auf Neomycin + Rifaximin an, Wasserstoff-SIBO auf Rifaximin allein.
Die überschüssigen Bakterien im Dünndarm konsumieren Nährstoffe, bevor sie absorbiert werden können:
Prinzip: Nach oraler Gabe eines Testzuckers (Glukose oder Laktulose) werden die Atemgase H₂ und CH₄ über 2–3 Stunden gemessen.
| Testsubstrat | Vorteile | Nachteile | |-------------|----------|-----------| | Glukose | Hohe Spezifität (>80%), absorbiert im proximalen Dünndarm | Erfasst nur proximales SIBO | | Laktulose | Erfasst den gesamten Dünndarm | Niedrigere Spezifität, kann IBS-Falschpositive liefern |
Positiv bei:
Invasiv (Endoskopie), aber der direkteste Nachweis. >10⁵ KBE/ml bestätigt SIBO. Vor- und Nachteile: Goldstandard, aber invasiv, teuer und nicht überall verfügbar.
Das am besten untersuchte Antibiotikum für SIBO. Nicht-resorbierbar (wirkt nur im Darmlumen), minimale systemische Nebenwirkungen.
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Für Patienten, die keine Antibiotika möchten oder als Ergänzung:
| Präparat | Evidenz | Dosierung | |----------|---------|-----------| | Berberin-Extrakt | B | 500 mg 3x/Tag | | Oreganoöl (Carvacrol) | B | 100–200 mg 2x/Tag | | Allicin (Knoblauchextrakt) | C | 450 mg 2x/Tag | | Neem-Extrakt | C | 500 mg 2x/Tag |
Eine Studie (Chedid et al., 2014) verglich pflanzliche Antimikrobiotika mit Rifaximin und fand vergleichbare Eradikationsraten.
Zur Rezidivprophylaxe essenziell. Der MMC (Migrating Motor Complex) muss wiederhergestellt werden:
SIBO hat eine Rezidivrate von 44% innerhalb von 9 Monaten. Prävention:
Sehr unwahrscheinlich. Ohne Behandlung neigt SIBO zur Chronifizierung. Die adressierte Grundursache bestimmt die Prognose.
Die Sensitivität liegt bei 60–90%, die Spezifität bei 80–95%. Ein negativer Test schließt SIBO nicht vollständig aus – besonders bei Methan-SIBO kann der Test falsch-negativ sein.
Der Atemtest kostet in Deutschland etwa 80–150€. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen meist nicht übernommen.
Ja, als alleinige Maßnahme ist es schwierig, aber als Begleitung zur antibiotischen oder pflanzlichen Therapie essenziell. Die Elementardiät hat eine Erfolgsrate von 80–85%.
Nein. SIBO ist eine bakterielle Überwucherung des Dünndarms. Candida-Überwucherung (Dünndarm-Candidose) ist eine Pilzinfektion. Beide können ähnliche Symptome verursachen und koexistieren.
Die antibiotische Therapie dauert 10–14 Tage. Die begleitende Ernährungstherapie 2–6 Monate. Die vollständige Erholung der Darmfunktion kann 6–12 Monate dauern.
SIBO ist eine unterdiagnostizierte, aber gut behandelbare Ursache chronischer Verdauungsbeschwerden. Der Wasserstoff-Atemtest ermöglicht eine nicht-invasive Diagnose, Rifaximin ist das Antibiotikum der Wahl, und pflanzliche Alternativen zeigen vergleichbare Wirksamkeit. Die langfristige Prophylaxe erfordert however mehr als nur Antibiotika – Prokinetika, Ernährung und die Behandlung der Grundursache sind entscheidend.
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