Ubiquinol vs. Ubiquinon – die Debatte um die „bessere" Form des Coenzyms Q10 beschäftigt die Supplement-Welt seit Jahren. Marketing verspricht, dass Ubiquinol „bis zu 8-mal besser aufgenommen" werde. Doch was sagt die Wissenschaft wirklich?
In diesem Vergleich filtern wir die Evidenz von den Marketing-Claims und klären, welche Q10-Form für wen sinnvoll ist.
Coenzym Q10 (CoQ10), auch Ubichinon genannt, ist eine fettlösliche, vitaminähnliche Substanz, die in praktisch jeder Zelle des menschlichen Körpers vorkommt. Es hat zwei zentrale Funktionen:
Der entscheidende Punkt, der in der Debatte oft verschwiegen wird: Ubiquinon und Ubiquinol sind keine zwei verschiedenen Substanzen – sie sind Redox-Partner.
Im Körper wandeln sie sich ständig gegenseitig um. Wenn Ubiquinon als Antioxidans wirkt, wird es zu Ubiquinol reduziert. Wenn Ubiquinol Elektronen im Rahmen der Zellatmung abgibt, wird es zu Ubiquinon oxidiert [3].
Wichtig: Beide Formen liegen im Körper gleichzeitig vor – im Verhältnis von etwa 95:5 (Ubiquinol:Ubiquinon) im Blut gesunder Erwachsener.
→ Die Grundlagen zellulärer Energieproduktion und Hautregeneration behandeln wir auch in unserem Artikel zum Hautaufbau nachts.
Die zentrale Behauptung der Ubiquinol-Befürworter: Ubiquinol wird besser absorbiert. Die Evidenzlage ist jedoch deutlich differenzierter:
López-Lluch et al. (2019): Metaanalyse von 28 Studien. Ergebnis: Ubiquinol zeigt bei oraler Gabe eine höhere Plasma-Konzentration als Ubiquinon bei gleicher Dosis [4].
Zhang et al. (2018): Direktvergleich bei gesunden Probanden. Ubiquinol führte zu 1,5- bis 3-fach höheren Plasma-CoQ10-Spiegeln im Vergleich zu Ubiquinon [5].
Langsjoen et al. (2008): Pionierstudie bei Herzinsuffizienz-Patienten. Patienten, die auf Ubiquinon nicht ansprachen, zeigten unter Ubiquinol signifikante Verbesserungen [6].
Diese Zahlen klingen beeindruckend – aber es gibt wichtige Einschränkungen:
Hier wird es biologisch spannend: Der menschliche Körper besitzt Enzyme, die Ubiquinon in Ubiquinol umwandeln können – und tut dies auch kontinuierlich. Diese Konversion funktioniert bei jüngeren, gesunden Menschen effizient [7].
Mit zunehmendem Alter und bei bestimmten Erkrankungen (Herzinsuffizienz, Diabetes, neurodegenerative Erkrankungen) nimmt diese Konversionsfähigkeit jedoch ab. Hier wird Ubiquinol als supplementierte Form tatsächlich relevant.
| Kriterium | Ubiquinon | Ubiquinol | |---|---|---| | Chemische Form | Oxidiert | Reduziert | | Stabilität | Hoch | Empfindlicher (oxidiert an der Luft) | | Bioverfügbarkeit | Gut | Etwas besser (1,5-3x) | | Preis | Günstiger | 2-4x teurer | | Evidenzlage | Umfangreicher (mehr Langzeitstudien) | Wachsend, aber weniger Langzeitdaten | | Körperliche Konversion | Wird im Körper zu Ubiquinol | Direkt verfügbar | | Haltbarkeit | Länger | Kürzer (empfindlich) | | Ideale Zielgruppe | Junge, Gesunde | Ältere, Kranke, Statin-Anwender |
Empfehlung: Nature's Bounty CoQ10 100mg Ubiquinon – bewährt, günstig, hochdosiert.
Empfehlung: Qunol Mega Ubiquinol 100mg – wasserlösliche Formulierung für bessere Absorption.
| Ziel | Ubiquinon | Ubiquinol | |---|---|---| | Allgemeine Gesundheit | 100-200 mg/Tag | 50-100 mg/Tag | | Anti-Aging / Energie | 200-300 mg/Tag | 100-200 mg/Tag | | Herzinsuffizienz | 300-600 mg/Tag | 200-300 mg/Tag | | Statin-Begleitung | 200-400 mg/Tag | 100-200 mg/Tag |
→ Mehr zur optimalen Supplementierung erfährst du in unserem /wissen/-Bereich.
Fakt: Diese Zahl stammt aus EINER Studie mit EINER spezifischen Formulierung. Metaanalysen zeigen eher einen 1,5- bis 3-fachen Unterschied in der Bioverfügbarkeit. Und Bioverfügbarkeit ≠ klinische Überlegenheit.
Fakt: Der Körper wandelt ubiquinär (überall) Substanzen um – das ist normaler Stoffwechsel. Die Konversion ist effizient und bei Gesunden kein Flaschenhals.
Fakt: Die Absorption von CoQ10 ist saturierbar. Ab 300 mg steigt die Plasmaspitze kaum noch – aber die Kosten exponentiell.
Fakt: CoQ10 ist ein wichtiges Antioxidans und essenziell für die Mitochondrien. Aber es ist kein Jungbrunnen. Die Evidenz für anti-aging-Effekte beim Menschen ist begrenzt und wird oft aus Tierstudien extrapoliert.
Wenn du unter 40 bist und gesund: Ubiquinon reicht aus und ist günstiger. Wenn du über 40 bist, Statine nimmst oder chronisch krank bist: Ubiquinol kann die bessere Wahl sein.
Theoretisch ja, aber nicht sinnvoll. Der Körper konvertiert ohnehin zwischen den Formen. Besser: Eine Form konsequent supplementieren.
Akute Effekte auf die Energie werden oft innerhalb von 2-4 Wochen bemerkt. Klinisch relevante Effekte bei Herzinsuffizienz oder Blutdruck erfordern meist 8-12 Wochen kontinuierlicher Einnahme.
CoQ10 gilt als sehr sicher. Bei Dosen über 300 mg können leichte gastrointestinale Beschwerden auftreten. Interaktionen mit Blutverdünnern (Vitamin-K-Antagonisten) sind möglich und sollten mit dem Arzt besprochen werden.
Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie empfiehlt CoQ10 nicht routinemäßig bei Statin-Therapie. Die Evidenz für eine Reduktion von Statin-induzierten Muskelschmerzen ist jedoch wachsend [10]. Eine Supplementierung ist in Absprache mit dem Arzt sinnvoll.
Topisches CoQ10 in Hautpflege hat eine andere Evidenzbasis als orales CoQ10. Für die Hautpflege ist die Form weniger relevant – wichtiger ist die Formulierung (Liposomen, Nanopartikel) für die Penetration.
Der Vergleich Q10 Ubiquinol vs. Ubiquinon zeigt: Es gibt keinen pauschalen „Gewinner". Beide Formen sind wirksam, beide haben ihre Berechtigung.
Die Wissenschaft ist eindeutig: CoQ10 ist ein wertvolles Supplement – aber die Wahl der Form sollte sich nach Alter, Gesundheitszustand und Budget richten, nicht nach Marketing-Claims.
Quellen:
[1] Crane FL. (2001). Biochemical functions of coenzyme Q10. J Am Coll Nutr, 20(6), 591-598.
[2] Ernster L, Dallner G. (1995). Biochemical, physiological and medical aspects of ubiquinone function. Biochim Biophys Acta, 1271(1), 195-204.
[3] Bentinger M et al. (2010). Coenzyme Q – biosynthesis and functions. Biochem Biophys Res Commun, 396(1), 74-79.
[4] López-Lluch G et al. (2019). Bioavailability of coenzyme Q10 supplements. Nutrients, 11(7), 1563.
[5] Zhang J et al. (2018). Comparison of ubiquinol and ubiquinone absorption. J Med Food, 21(5), 507-512.
[6] Langsjoen PH et al. (2008). Treatment of heart failure with ubiquinol. FASEB J, 22, 3456.
[7] Mohr D et al. (1992). Coenzyme Q10: Routes of reduction. Biochem Biophys Res Commun, 182(2), 564-571.
[8] Díaz-Castro J et al. (2020). CoQ10 supplementation and exercise performance. Nutrients, 12(10), 3129.
[9] Bhagavan HN, Chopra RK. (2006). Coenzyme Q10: Absorption and bioavailability. Mol Nutr Food Res, 50(3), 341-347.
[10] Banach M et al. (2022). Statin-associated muscle symptoms and CoQ10. J Clin Med, 11(2), 399.
Dieser Artikel ist Teil unserer wissenschaftlichen Supplement-Analyse-Serie auf bestofme.site. Weitere Vergleiche und Guides findest du unter /analysen/ und im /blog/.
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