Prolaktin erhöht Ursachen: Die wissenschaftliche Übersicht

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Prolaktin erhöht Ursachen: Die wissenschaftliche Übersicht

Prolaktin ist ein Hormon der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), das primär für die Milchproduktion nach der Geburt verantwortlich ist. Aber auch bei nicht-schwangeren Frauen und bei Männern hat es wichtige Funktionen – und ein erhöhter Spiegel kann weitreichende Folgen haben.


Die häufigsten Ursachen für erhöhtes Prolaktin

1. Medikamente (#1 Ursache)

  • Antidepressiva (SSRI, SNRI, trizyklische): Serotonin stimuliert die Prolaktinfreisetzung
  • Antipsychotika (Haloperidol, Risperidon): Dopamin-Blockade → Prolaktin ↑
  • Metoclopramid (MCP-Tropfen): Dopaminantagonist
  • Verapamil (Blutdrucksenker)
  • H2-Blocker (Cimetidin)

2. Prolaktinom (Hypophysenadenom)

Der häufigste Tumor der Hirnanhangsdrüse. Gutartig (99 %). Mikroadenom (< 10 mm) oder Makroadenom (> 10 mm). Diagnostik: MRT der Hypophyse.

3. Schwangerschaft und Stillzeit

Physiologisch: Prolaktin steigt in der Schwangerschaft auf das 10–20fache des Normalwerts. Normal.

4. Stress

Prolaktin ist ein Stresshormon. Akuter physischer oder psychischer Stress kann Prolaktin um 50–100 % ansteigen lassen. Daher: Blutabnahme immer nüchtern, in Ruhe, nicht gestresst.

5. Schilddrüsenunterfunktion

TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon) stimuliert sowohl TSH als auch Prolaktin. Bei Hypothyreose → TRH ↑ → Prolaktin ↑.

6. PCOS

Etwa 20–30 % der PCOS-Patientinnen haben leicht erhöhtes Prolaktin.

7. Nierenerkrankungen

Verminderte Clearance von Prolaktin bei chronischer Niereninsuffizienz.


Symptome

Bei Frauen

  • Galaktorrhoe (Milchausfluss außerhalb der Schwangerschaft)
  • Zyklusstörungen (Oligomenorrhoe, Amenorrhoe)
  • Unfruchtbarkeit (Prolaktin hemmt Gonadotropine)
  • Libidoverlust
  • Osteoporose bei langfristiger Hyperprolaktinämie

Bei Männern

  • Libidoverlust und erektile Dysfunktion
  • Gynäkomastie (Brustwachstum)
  • Galaktorrhoe (selten)
  • Unfruchtbarkeit (verminderte Spermiogenese)

Diagnostik und Behandlung

Diagnostik

  1. Prolaktin im Serum (nüchtern, in Ruhe, nicht nach Stimulation)
  2. Bei leichter Erhöhung: Wiederholungsmessung
  3. Makroprolaktin-Test: Ausschluss biologisch inaktiver Form
  4. Bei persistierender Erhöhung: MRT der Hypophyse
  5. TSH, fT4 (Schilddrüse ausschließen)

Behandlung

  • Medikamentös: Dopaminagonisten (Cabergolin, Bromocriptin) – wirksam bei Prolaktinom und idiopathischer Hyperprolaktinämie
  • Ursache behandeln: Medikamentwechsel, Schilddrüsen-Einstellung
  • Chirurgisch: Bei Makroadenom mit Sehstörungen (transsphenoidale Resektion)

FAQ

Welcher Prolaktinwert ist normal?

Frauen: 2–25 ng/ml. Männer: 2–18 ng/ml. Wichtig: Immer Makroprolaktin bestimmen lassen (biologisch inaktive Form, die künstlich hohe Werte verursacht).

Kann Stress Prolaktin erhöhen?

Ja! Akuter Stress → Prolaktin ↑ 50–100 %. Daher: Blutabnahme in Ruhe wiederholen.

Kann man Prolaktin natürlich senken?

Begrenzt. Vitamin B6 (100–200 mg/Tag) unterstützt die Dopaminproduktion. Stressreduktion kann helfen. Bei echter Hyperprolaktinämie sind Dopaminagonisten jedoch meist unverzichtbar.

Macht ein Prolaktinom unfruchtbar?

Ja, wenn unbehandelt. Dopaminagonisten senken Prolaktin und stellen die Fruchtbarkeit bei > 80 % der Patienten wieder her.


Fazit

Erhöhtes Prolaktin hat viele mögliche Ursachen – von Medikamenten über Stress bis zum Hypophysenadenom. Die häufigste Ursache sind Medikamente. Die Diagnostik ist einfach (Bluttest), die Behandlung meist effektiv (Dopaminagonisten). Wichtig: Vor der Diagnose Störgrößen ausschließen (Stress, Makroprolaktin, Schilddrüse).

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