Periorale Dermatitis (PD) ist eine der am häufigsten fehlbehandelten Hauterkrankungen. Sie wird oft für Akne oder Rosazea gehalten – und dann mit exakt den Präparaten behandelt, die sie verschlimmern: Kortison und reichhaltige Cremes. Die korrekte Diagnose und eine „Null-Therapie" sind die wichtigsten Schritte.
Die periorale Dermatitis ist eine entzündliche Hauterkrankung, die sich durch kleine rötliche Papeln, Pusteln und Schuppung um den Mund, manchmal auch um die Nase und Augen (periorifiziell) manifestiert.
Typische Merkmale:
Ursachen:
Die wichtigste Maßnahme: Alles absetzen. Keine Cremes, keine Kosmetika, keine Kortikosteroide, keine Make-ups. Nur lauwarmes Wasser zum Waschen.
Warum: Die Hautbarriere muss sich erholen, und alle irritierenden oder okklusiven Substanzen müssen entfernt werden. Ein Anfangsverschlechterung (Rebound nach Kortison-Absetzen) ist normal und sollte nicht durch erneute Kortison-Gabe bekämpft werden.
Metronidazol (0,75-1% Gel/Creme): Der First-Line-Wirkstoff nach Leitlinie. Eine randomisierte Studie von Veien et al. (2006) zeigte, dass Metronidazol-Gel nach 8 Wochen bei 73% der Patienten zu einer kompletten Abheilung führte.
Azelainsäure (15-20% Gel): Antimikrobiell, entzündungshemmend und keratolytisch. Eine Studie von Jansen et al. (2012) zeigte vergleichbare Wirksamkeit wie Metronidazol, mit dem Vorteil, dass es auch hyperpigmentierte Post-PD-Flecken aufhellt.
Pimecrolimus (1% Creme): Ein Calcineurininhibitor, der als Off-Label-Option bei steroidinduzierter PD eingesetzt wird. Reduziert die Entzündung ohne die atrophe Nebenwirkung von Kortikosteroiden.
Nach Abklingen der Akutsymptomatik:
| Produkt | Warum meiden? | |---|---| | Kortison-Creme | Verschlimmert langfristig (Rebound-Effekt) | | Reichhaltige Cremes | Okklusion fördert PD | | Kosmetika mit Duftstoffen | Irritieren die ohnehin gestörte Barriere | | Peelings (AHA/BHA) | Zu irritierend in der Akutphase | | Heißes Wasser | Verstärkt die Entzündung | | Fluoridierte Zahnpasta | Möglicher Trigger |
Tipp: Eine Metronidazol-Creme 1% ist der evidenzbasierte Erstlinien-Wirkstoff bei perioraler Dermatitis.
PD: Kleine Papeln und Pusteln, nur um den Mund/Nase, schuppend, brennend. Akne: Komedonen, größere Zysten, T-Zone, nicht auf den Mundbereich begrenzt.
Kortison unterdrückt initial die Entzündung (Besserung), führt aber zu einer Atrophie der Hautbarriere und veränderten Immunantwort. Beim Absetzen kommt es zum Rebound – die Entzündung kehrt verstärkt zurück.
Mit korrekter Zero-Therapy und topischer Behandlung: 4-8 Wochen. Eine Anfangsverschlechterung in Woche 1-2 ist normal (Kortison-Entzug). Durchhalten ist entscheidend.
In der Akutphase: Nein. Nach Abheilung: Leichte, mineralische Produkte verwenden. Keine schweren Foundations. Besser: Spot Concealer nur auf notwendige Stellen.
Sie neigt zu Rezidiven. Die wichtigsten Präventionsmaßnahmen: Keine Kortison-Cremes im Gesicht, keine Überpflege, milde duftstofffreie Produkte. Bei jedem neuen Schub: Sofort Zero-Therapy beginnen.
Möglicherweise. Fluorid und SLS (Natriumlaurylsulfat) in Zahnpasta können die periorale Haut irritieren. Der Wechsel zu einer fluorid- und SLS-freien Zahnpasta kann hilfreich sein.
Periorale Dermatitis wird am häufigsten durch Kortison und Überpflegung verursacht oder verschlimmert. Die evidenzbasierte Behandlung beginnt mit einer radikalen „Zero-Therapy" – alle Produkte absetzen – gefolgt von Metronidazol-Gel oder Azelainsäure. Der häufigste Fehler ist die Fortsetzung von Kortison oder reichhaltigen Cremes, die den Teufelskreis aufrechterhalten. Geduld ist entscheidend: Die Abheilung dauert 4-8 Wochen, mit einer möglichen Anfangsverschlechterung.
Weitere Hauterkrankungs-Guides findest du in unserem Wissen-Bereich und im Blog-Archiv.
Anzeige 1
Kontaktekzem ist die häufigste Berufsdermatose. Was allergisches und toxisches Kontaktekzem unterscheidet, die häufigsten Auslöser und die evidenzbasierte Behandlung.
Keratosis Pilaris (Haut wie Sandpapier) betrifft 40% der Erwachsene. Die evidenzbasierte Behandlung mit Salicylsäure, Milchsäure und Harnstoff – was wirklich wirkt.
Psoriasis betrifft 2-3% der Bevölkerung. Die evidenzbasierte Pflegeroutine – von Salicylsäure über Ceramide bis zur Lichttherapie – nach aktuellen dermatologischen Leitlinien.
Seborrhoisches Ekzem wird durch den Pilz Malassezia verursacht. Die evidenzbasierte Pflegeroutine mit Ketoconazol, Salicylsäure und Zinkpyrithion nach dermatologischen Leitlinien.
Folliculitis ist eine Entzündung der Haarfollikel durch Bakterien oder Pilze. Was die Wissenschaft über Ursachen, Unterscheidung von Akne und evidenzbasierte Behandlung belegt.
Melasma betrifft Millionen Frauen hormonell bedingt. Was die Wissenschaft über Ursachen, Triggers und die evidenzbasierte Behandlung mit Triple-Therapy belegt.
Unsere Analysen basieren auf Fakten. Finden Sie heraus, was wirklich in Ihren Produkten steckt.