Lesedauer: 13 Minuten | Aktualisiert: Juli 2026
Mikroplastik in Kosmetik: EU-Verbot 2026 erklärt
Mikroplastik in Kosmetik ist ein massives Umweltproblem. Jedes Jahr gelangen Tausende Tonnen Kunststoffpartikel über Peelings, Duschgele und Cremes ins Abwasser — und von dort in die Ozeane. Die EU hat nun reagiert und ein schrittweises Verbot erlassen. Was genau verboten wird, welche Fristen gelten und wie Sie Mikroplastik in Ihren Produkten erkennen.
Was ist Mikroplastik in Kosmetik?
Mikroplastik sind Kunststoffpartikel kleiner als 5 mm. In Kosmetik werden sie absichtlich zugesetzt für verschiedene Zwecke:
- Peeling-Partikel: In Gesichtspeelings und Duschgels (Polyethylen, Nylon-12)
- Texturgeber: Für cremige Texturen und mattierende Effekte (PMMA, Silica)
- Bindemittel: Um Inhaltsstoffe zusammenzuhalten (Acrylates Copolymer)
- Füllstoffe: Um Volumen zu geben (Polypropylene)
- Filmbildner: Für langanhaltende Wirkung (Polyurethane)
- Haar-conditioner: Um Haar zu umhüllen (Polyquaternium)
Das Problem: Mikroplastik wird in Kläranlagen nicht vollständig herausgefiltert. Es gelangt in Flüsse, Meere und schließlich in die Nahrungskette. In den Ozeanen dauert der Abbau von Mikroplastik 100-500 Jahre.
Das EU-Verbot: Die REACH-Verordnung
Am 25. September 2023 hat die Europäische Kommission die Verordnung (EU) 2023/2055 erlassen, die Mikroplastik in Produkten einschränkt. Diese Änderung der REACH-Verordnung verbietet absichtlich zugesetztes Mikroplastik in Produkten, die in die Umwelt freigesetzt werden.
Was wird verboten?
Alle synthetischen Polymere mit Partikeln ≤ 5 mm, die in Kosmetik absichtlich zugesetzt werden und nicht biologisch abbaubar sind.
Der Verbots-Zeitplan
| Datum | Produktkategorie | Status |
|---|---|---|
| Oktober 2023 | Rinse-off Peelings, Duschgel-Perlen | Verboten ✅ |
| Oktober 2024 | Lip-Produkte (Lipgloss, Lippenstift) | Verboten ✅ |
| Oktober 2025 | Dekorative Kosmetik (Make-up, Puder) | Übergang → |
| Oktober 2026 | Leave-on Hautpflege (Cremes, Lotionen) | Ab 2027 → |
| Oktober 2027 | Alle übrigen Kosmetika | Ab 2028 → |
| 2031-2036 | Produkte mit langsamer Freisetzung | Letzte Frist |
Ausnahme: Produkte, bei denen der Mikroplastik fest in einer Matrix eingebettet ist und nicht freigesetzt wird (z.B. Nagellack), sind vom Verbot ausgenommen.
Welche Inhaltsstoffe sind Mikroplastik?
Die folgenden INCI-Namen sind typische Mikroplastik-Inhaltsstoffe:
Polyethylen (PE)
In Peelings, Lippenstiften, Mascara
Polypropylene (PP)
In Peelings, Pudern
Nylon-12
In Make-up, Pudern, Mattierungsprodukten
PMMA
In Fillern, Make-up, Anti-Aging
Acrylates Copolymer
In Duschgels, Cremes, Haarpflege
Polyurethane
In Sonnenschutz, Mascara
PTFE (Teflon)
In Pudern, Make-up
Polyquaternium
In Haarconditioner, styling
Umstritten: Löst sich nicht auf
Carbomer, Dimethicone, Cyclomethicone — diese Stoffe sind streng genommen keine festen Partikel, aber synthetische Polymere. Ob sie unter das Verbot fallen, wird im Einzelfall geprüft.
Natürliche Alternativen zu Mikroplastik
Für Peelings
- Jojoba-Perlen (schonend)
- Bambuskohle-Pulver
- Meersalz
- Zucker
- Kaffeepulver
- Walnussschalen-Granulat
Für Texturen/Füllstoffe
- Silica (natürliches)
- Tapioca-Stärke
- Reisstärke
- Boron Nitride
- Kaolin (weißer Ton)
Als Bindemittel
- Xanthan (natürlich)
- Guarkernmehl
- Alginat
- Carrageenan
Für Haar-Conditioner
- Sheabutter
- Olivenöl
- Avocado-Öl
- Brokkolischrot (natural silicone)
Mikroplastikfreie Marken
Zertifizierte Naturkosmetik
Alle BDIH-, NaTrue- und COSMOS-zertifizierten Marken sind mikroplastikfrei: Weleda, Dr. Hauschka, Lavera, Logona, Annemarie Börlind. Mehr: Deutsche Naturkosmetik-Marken
„Zero Plastic Inside"-Zertifizierte
Das Siegel von Beat the Microbead zertifiziert mikroplastikfreie Produkte. Über 500 Marken haben teilgenommen.
Ocean-Save-Siegel
Marine-stewardship-ähnliche Zertifizierung für mikroplastikfreie Kosmetik.
Mikroplastik erkennen: So geht's
- INCI-Liste scannen: Suchen Sie nach „Poly...", „Nylon", „Acrylates", „PTFE", „Copolymer"
- INCI-Decoder nutzen: Kostenloser INCI-Decoder — erkennt Mikroplastik automatisch
- CodeCheck-App: Scannen des Barcodes zeigt Mikroplastik an
- „Beat the Microbead"-App: Spezialisiert auf Mikroplastik-Erkennung
- Naturkosmetik-Siegel: BDIH, NaTrue, COSMOS garantieren mikroplastikfreie Formeln
Die Umweltauswirkungen
- 8 Millionen Tonnen Plastik gelangen jährlich in die Ozeane
- Etwa 2% davon aus Kosmetik-Mikroplastik (ca. 160.000 Tonnen/Jahr)
- Mikroplastik wurde in 114 Wasserproben aus deutschen Flüssen gefunden
- In Meeressalz aus dem Mittelmeer wurden bis zu 1.500 Mikroplastik-Partikel pro kg gefunden
- Mikroplastik absorbiert Giftstoffe aus dem Wasser und gibt sie in der Nahrungskette wieder frei
Offizielle Quellen
FAQ
Wird Mikroplastik in Kosmetik verboten?
Ja, durch die REACH-Verordnung (EU) 2023/2055. Gestaffeltes Verbot von 2023 bis 2031.
Was sind Mikroplastik-Inhaltsstoffe?
Polyethylen, Nylon-12, PMMA, Acrylates Copolymer, PTFE und ähnliche synthetische Polymere.
Wie erkenne ich Mikroplastik?
INCI auf „Poly...", „Nylon", „Acrylates" überprüfen. Oder unseren INCI-Decoder nutzen.
Gibt es Alternativen?
Ja — Jojoba-Perlen, Bambuskohle, natürliche Stärken und Cellulose.
INCI auf Mikroplastik prüfen
Unser INCI-Decoder erkennt alle Mikroplastik-Inhaltsstoffe automatisch.
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