Kinder Allergien testen: Der wissenschaftliche Guide

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Kinder Allergien testen: Der wissenschaftliche Guide

Allergien gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Kindern — etwa 25-30% der Kinder in Deutschland sind betroffen. Doch nicht jedes Kind mit Symptomen braucht einen Allergietest, und nicht jeder positive Test bedeutet eine echte Allergie.


Wann testen?

Sinnvoll bei:

  • Persistierenden Symptomen über weeks/months
  • Verdacht auf Auslöser (z.B. nach Einnahme bestimmter Lebensmittel)
  • Mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis
  • Wiederkehrendem Asthma oder allergischer Rhinitis
  • Anaphylaxie in der Vorgeschichte

NICHT sinnvoll bei:

  • Einmaliger Reaktion
  • Screening ohne Symptome („mal testen lassen")
  • Als Ersatz für eine Eliminationsdiät (die bleibt der Goldstandard)

Die Testmethoden

1. Haut-Pricktest (Evidenz: Stark)

  • Goldstandard der Allergiediagnostik
  • Kleine Menge Allergen wird auf die Haut gegeben und leicht eingeritzt
  • Positive Reaktion: Quaddel > 3mm nach 15-20 Minuten
  • Vorteile: Schnell, kostengünstig, sensitiv
  • Nachteile: Antihistaminika müssen vorher pausiert werden (7 Tage)

2. Spezifisches IgE im Blut (Evidenz: Stark)

  • rAST/ImmunoCAP: Misst allergenspezifische Antikörper im Blut
  • Kein Absetzen von Antihistaminika nötig
  • Geeignet bei: Hauterkrankungen, Medikamentenunverträglichkeit, Säuglingen
  • Klassen: 0-6 (0 = negativ, 6 = stark positiv)

3. Provokationstest (Evidenz: Sehr stark)

  • Goldstandard zum Beweis einer klinisch relevanten Allergie
  • Allergen wird unter ärztlicher Aufsicht verabreicht
  • Nur in Kliniken mit Notfallausrüstung!
  • Dauer: 4-6 Stunden

4. Epikutantest (Patch-Test)

  • Für Kontaktallergien (Nickel, Duftstoffe, Konservierungsstoffe)
  • Pflaster mit Allergenen auf den Rücken, Ablesung nach 48 und 72 Stunden
  • Für Spättyp-Allergien (Typ IV)

5. IgG/IgG4-Tests (Evidenz: Schwach)

  • NICHT empfohlen zur Allergiediagnostik
  • IgG ist ein Marker für Exposition, nicht für Allergie
  • Die meisten allergologischen Fachgesellschaften raten davon ab

Die häufigsten Kinder-Allergien

| Allergen | Häufigkeit | Symptome | |---|---|---| | Kuhmilchprotein | 2-6% ( < 2 Jahre) | Ekzeme, Durchfall, Erbrechen | | Hühnerei | 1-2% | Urtikaria, Ekzem, Anaphylaxie | | Erdnuss | 1-2% | Anaphylaxie-Risiko! | | Hausstaubmilbe | 10-20% | Rhinitis, Asthma | | Pollen | 15-25% | Rhinitis, Konjunktivitis | | Tierhaare | 5-10% | Rhinitis, Asthma |


FAQ

Wann sollte man sein Kind auf Allergien testen lassen?

Bei persistierenden Symptomen (Hautausschlag, verstopfte Nase, Asthma, Verdacht auf Lebensmittelunverträglichkeit) die länger als 4-6 Wochen bestehen oder wiederkehrend auftreten. Auch nach einer anaphylaktischen Reaktion ist eine Testung zwingend. Nicht sinnvoll: Screening ohne Symptome.

Kann ein Kind aus einer Allergie herauswachsen?

Ja, besonders bei: Kuhmilchproteinallergie (80-90% bis Alter 5), Hühnereiallergie (50-70% bis Alter 6), Weizenallergie (80% bis Alter 5). Weniger wahrscheinlich: Erdnuss, Baumnüsse, Fisch, Sesam. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen mit dem Kinderarzt/Allergologen sind wichtig.


Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Verdacht auf Allergien konsultiere den Kinderarzt oder Kinderallergologen.

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