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Glycerin für Hautfeuchtigkeit: Der wissenschaftliche Guide

11 Min Lesezeit

Glycerin für Hautfeuchtigkeit: Der wissenschaftliche Guide

Glycerin (Glycerol) ist der am häufigsten verwendete Feuchtigkeitsstoffe in Hautpflegeprodukten weltweit. In über 90 % aller Feuchtigkeitscremes enthalten, ist es ein Humectant (Feuchtigkeitsbinder) mit überzeugender wissenschaftlicher Evidenz [^1].


Wie Glycerin funktioniert

Der humektante Mechanismus

Glycerin bindet Wassermoleküle durch Wasserstoffbrückenbindungen:

  • Zieht Wasser aus der Umgebung (Luftfeuchtigkeit)
  • Zieht Wasser aus der tieferen Hautschicht (Dermis) in die Hornschicht
  • Speichert das Wasser in der Hornschicht

Die optimale Konzentration

  • 2–5 %: Grundlegende Feuchtigkeitsbindung
  • 10–20 %: Maximale Wirkung
  • > 40 %: Kann umgekehrt wirken — zieht zu viel Wasser aus der Dermis [^2]

Praxis-Tipp: Glycerin immer mit einem Okklusivum (z.B. Dimethicone, Petrolatum) kombinieren, damit die Feuchtigkeit nicht verdunstet.


Die Studienlage

Hautbefeuchtung

  • Fluhr et al. (2008): Glycerin erhöhte die Hornschicht-Hydratation um 30–40 % nach 2 Wochen [^3]
  • Wirkt kumulativ — regelmäßige Anwendung verbessert die Hautbarriere langfristig

Barrierefunktion

  • Glycerin unterstützt die Produktion von Ceramiden und Lipiden in der Hornschicht
  • Lodén (2005): Glycerin-haltige Feuchtigkeitscremes verbesserten die Barrierereparatur nach Schädigung [^4]

FAQ: Häufig gestellte Fragen

Kann Glycerin die Haut austrocknen?

In sehr trockener Luft (< 30 % Luftfeuchtigkeit) kann Glycerin Wasser aus der Dermis in die Hornschicht ziehen und von dort verdunsten → paradoxer Trockenheitseffekt. Lösung: Mit Okklusivum kombinieren.

Ist Glycerin komedogen?

Nein. Glycerin hat einen Komedogenitäts-Score von 0 und ist für alle Hauttypen geeignet, einschließlich Akne-haut.


Quellenangaben

[^1]: Bonté, F., et al. (2011). Glycerol: A key ingredient in skin care. J Cosmet Dermatol, 10(2), 159–162. [^2]: Batt, M. D., et al. (1988). Effects of glycerin on the mechanical properties of human stratum corneum. J Soc Cosmet Chem, 39, 71–81. [^3]: Fluhr, J. W., et al. (2008). Glycerol and the skin. Skin Pharmacol Physiol, 21(4), 196–203. [^4]: Lodén, M. (2005). The clinical benefit of moisturizers. J Eur Acad Dermatol Venereol, 19(6), 672–688.


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