Lesedauer: 12 Minuten | Aktualisiert: Juli 2026
Nanomaterialien in Kosmetik: EU-Kennzeichnungspflicht erklärt
Nanotechnologie verspricht bessere Wirkung, tieferes Eindringen und neue Texturen. Aber was bedeutet „nano" auf Ihrer Creme genau? Und wie sicher sind Nanopartikel? Die EU-Kosmetikverordnung 1223/2009 hat weltweit die strengsten Regeln für Nanomaterialien. Hier ist alles, was Sie wissen müssen.
Was sind Nanomaterialien?
Ein Nanomaterial besteht aus Partikeln, die mindestens in einer Dimension zwischen 1 und 100 Nanometern (nm) messen. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist etwa 80.000 nm dick. Die extreme Kleinheit führt zu veränderten physikalischen und chemischen Eigenschaften — Nanopartikel können andere Lichtbrechungseigenschaften haben, reaktiver sein und tiefer in Hautschichten eindringen als herkömmliche Partikel.
In Kosmetik werden Nanomaterialien für verschiedene Zwecke eingesetzt: als UV-Filter in Sonnencremes (Titandioxid, Zinkoxid), als Farbpigmente in Make-up (Carbon Black, Methoxybolate), als Trägermaterialien für Wirkstoffe (Liposomen, Nanokapseln) und als Texturverbesserer (Siliziumdioxid).
Die EU-Regulierung von Nanomaterialien
Kennzeichnungspflicht (Art. 19 Abs. 1 lit. g)
Seit dem 11. Juli 2013 muss jeder Nanomaterial-Inhaltsstoff in der INCI-Liste mit dem Klammerzusatz „(nano)" gekennzeichnet werden. Beispiel: „Titanium Dioxide (nano)" statt nur „Titanium Dioxide".
Meldepflicht (Art. 16)
Produkte mit Nanomaterialien müssen der EU-Kommission sechs Monate vor dem Inverkehrbringen gemeldet werden. Die Meldung muss die Identität des Nanomaterials, seine Größe, toxikologische Daten und die erwartete Exposition umfassen.
Sicherheitsbewertung durch das SCCS
Das Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS) bewertet alle verwendeten Nanomaterialien auf Sicherheit. Bei Bedenken kann die EU-Kommission das Nanomaterial verbieten oder einschränken.
Titanium Dioxide (TiO₂) — Teilverbot
Titanium Dioxide wurde 2020 als Lebensmittelzusatzstoff (E171) verboten, da es als potenziell krebserregend bei oraler Aufnahme eingestuft wurde. In Sonnencremes zur topischen Anwendung bleibt es als UV-Filter zugelassen, aber die EU hat 2022 ein Verbot für TiO₂ in pulverförmigen Produkten erlassen (z.B. lose Puder), da es eingeatmet werden kann.
Häufige Nanomaterialien in Kosmetik
| Inci-Name | Verwendung | EU-Status |
|---|---|---|
| Titanium Dioxide (nano) | UV-Filter in Sonnencreme | Zugelassen (topisch) |
| Zinc Oxide (nano) | UV-Filter | Zugelassen |
| Silica (nano) | Texturgeber, Antioxidans | Zugelassen |
| Carbon Black (nano) | Schwarzes Farbpigment | Zugelassen (Anhang IV) |
| Titanium Dioxide (nano) in Pulvern | Puder, Make-up | Verboten (seit 2022) |
Sind Nanomaterialien sicher?
Die Sicherheit von Nanomaterialien ist eine der am intensivsten diskutierten Fragen in der Kosmetikforschung. Die europäische Forschung zeigt ein differenziertes Bild:
- Topische Anwendung (Cremes, Sonnencreme): Studien zeigen, dass intakte Haut die meisten Nanopartikel nicht in nennenswerten Mengen durchlässt. Das SCCS bewertet die meisten zugelassenen UV-Filter als sicher.
- Inhalation (Sprays, Puder): Einatmbare Nanopartikel können in die Lunge gelangen und dort Entzündungen verursachen. Daher gelten für Sprays strenge Grenzwerte für die Partikelgröße.
- Verletzte Haut: Bei Hautverletzungen, Ekzemen oder nach Peelings kann die Hautbarriere gestört sein, und Nanopartikel könnten tiefer eindringen.
- Langzeitexposition: Die chronische Aufnahme kleiner Mengen über Jahre ist noch nicht vollständig erforscht.
Die EU reagiert auf diese Unsicherheit mit dem Vorsorgeprinzip: Nanomaterialien werden strenger reguliert als normale Inhaltsstoffe, müssen explizit gemeldet werden und können schnell verboten werden, wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse Bedenken bestätigen.
Nano-freie Produkte finden
Wer Nanomaterialien vermeiden möchte, hat mehrere Möglichkeiten:
- INCI-Liste prüfen: Suchen Sie nach dem Zusatz „(nano)"
- Zertifizierte Naturkosmetik: Marken mit BDIH-, NaTrue- oder COSMOS-Zertifikat haben strenge Richtlinien
- „Nano-frei"-Kennzeichnung: Einige Marken deklarieren dies freiwillig
Empfehlung: UV Sun SPF 50 (nano-frei)
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FAQ
Was bedeutet (nano) auf Kosmetikprodukten?
Der Inhaltsstoff liegt als Nanopartikel vor (< 100 nm). EU-Pflicht seit 2013.
Sind Nanomaterialien gefährlich?
Das SCCS bewertet jedes Nanomaterial einzeln. Die meisten topisch angewendeten gelten als sicher, aber bei inhalierbaren Partikeln und Titanoxid in Pulvern bestehen Bedenken.
Wie erkenne ich Nanomaterialien?
Suchen Sie in der INCI-Liste nach dem Klammerzusatz „(nano)".
Ist Titanoxid in Sonnencreme verboten?
Nein — als topischer UV-Filter bleibt es zugelassen. Verboten ist es als Lebensmittelzusatzstoff und in pulverschreibenden Kosmetika.
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