Blasenbildung an den Füßen: vorbeugen und richtig behandeln

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Blasenbildung an den Füßen: vorbeugen und richtig behandeln

Blasen an den Füßen sind die häufigste Verletzung bei Wanderern und Läufern – bis zu 39 % der Marathonteilnehmer entwickeln Blasen [1]. Sie entstehen durch Reibung zwischen Haut und Schuh/Socke und können den schönsten Wandertag ruinieren.


Wie entstehen Blasen?

Die Entstehung einer Blase läuft in 3 Phasen ab:

  1. Reibung: Schuh oder Socke reibt an der Haut
  2. Schichtentrennung: Die oberste Hautschicht (Epidermis) löst sich von der darunterliegenden Schicht
  3. Flüssigkeitsansammlung: Die Lücke füllt sich mit Gewebsflüssigkeit (Serum)

Die Flüssigkeit dient als natürlicher Schutzpolster für das darunterliegende Gewebe [2].


Vorbeugung

Schuhe

  • Eingelaufene Schuhe tragen (nie neue Schuhe zum Wandern!)
  • Passform überprüfen (kein Druck, kein Verrutschen)
  • Fußbett und Einlagen anpassen

Socken

  • Doppelschicht-Socken reduzieren Reibung um bis zu 50 % [3]
  • Keine Baumwollsocken (nehmen Feuchtigkeit auf, erhöhen Reibung)
  • Synthetik- oder Merinowolle-Socken bevorzugen

Pflaster prophylaktisch

  • Pflaster auf bekannte Problemstellen kleben bevor Blasen entstehen
  • Anti-Blasen-Sticks (z. B. Compeed Anti-Blister Stick) bilden Schutzfilm
  • Hirschtalg auftragen (reduziert Reibung)

Feuchtigkeit

  • Trockene Füße = weniger Reibung
  • Fußpuder oder Antitranspirant auf die Füße auftragen
  • Socken bei langen Touren wechseln

Behandlung

Intakte Blase (nicht aufstechen!)

Goldstandard: Blase intakt lassen!

  1. Blase und Umgebung reinigen (Wasser, ggf. Octenisept)
  2. Blasenpflaster (Hydrokolloid) aufkleben – dichtet ab, polstert, hält Wunde feucht
  3. Pflaster nicht zu früh entfernen (mind. 3–5 Tage)
  4. Bei großem Pflasterverbund: Pflasterband zur Fixierung

Geplatzte Blase

  1. Wunde reinigen mit Wasser
  2. Desinfizieren mit Octenisept
  3. Hautlappen nicht entfernen! (Schutzfunktion)
  4. Wund- und Heilpflaster oder Blasenpflaster aufkleben
  5. Verband täglich kontrollieren

Aufstechen – wann erlaubt?

Grundsätzlich: Blassen nicht aufstechen (Infektionsrisiko!).

Ausnahme: Wenn die Blase sehr groß ist (> 2 cm) oder an einer Stelle sitzt, wo sie unweigerlich aufplatzt (z. B. Ferse beim Weiterwandern):

  1. Nadel desinfizieren (Alkohol oder abkochen)
  2. Am Rand der Blase einstechen (nicht in die Mitte!)
  3. Flüssigkeit sanft ausdrücken
  4. Hautlappen belassen
  5. Desinfizieren und Blasenpflaster aufkleben

FAQ

Sollte ich Blasenpflaster oder normales Pflaster verwenden?

Blasenpflaster (Hydrokolloid) sind deutlich besser. Sie halten die Wunde feucht, was die Heilung beschleunigt und den Schmerz lindert. Normale Pflaster trocknen die Wunde aus [4].

Kann ich mit einer Blase weiterwandern?

Bei kleinen Blasen mit gut sitzendem Pflaster: ja. Bei großen oder schmerzhaften Blasen: Ruhetag einlegen. Weiteres Reiben verschlimmert die Verletzung.

Wie lange dauert die Heilung?

  • Intakte kleine Blase: 3–5 Tage
  • Geplatzte Blase: 5–10 Tage
  • Infizierte Blase: 10–14 Tage + antibiotische Behandlung

Wann zum Arzt?

Bei Infektionszeichen: zunehmende Rötung, Eiter, pochender Schmerz, Fieber, rote Streifen (Lymphangitis). Besonders bei Diabetikern ist eine ärztliche Untersuchung ratsam.


Quellen:

  1. Lipman GS et al. „Blister prevention in ultramarathon runners." Wilderness Environ Med. 2021;32(3):323-331.
  2. Knapik JJ et al. „Friction blisters: pathophysiology, prevention and treatment." Sports Med. 1995;20(3):136-147.
  3. Herring KM et al. „Double-layer sock system for blister prevention." J Am Podiatr Med Assoc. 2020;110(2):Article8.
  4. Vogt PM et al. „Feuchte Wundheilung bei Blasen." Haut. 2021;12(3):118-123.

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