Lesedauer: 12 Minuten | Aktualisiert: Juli 2026
BDIH-zertifizierte Naturkosmetik: Richtlinien und Marken
Das BDIH-Siegel gilt als eines der strengsten und vertrauenswürdigsten Zertifikate für Naturkosmetik in Deutschland. Aber was genau bedeutet es? Welche Kriterien müssen erfüllt sein? Und welche Marken tragen das Siegel? Dieser Leitfaden gibt Ihnen alle Antworten.
Was ist BDIH?
Der Bundesverband der Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel e.V. (BDIH) wurde 1951 gegründet. 2001 entwickelte der Verband die „Richtlinie für zertifizierte Naturkosmetik", die als erste institutionell geprüfte Naturkosmetik-Richtlinie in Deutschland gilt.
Seit 2013 wird die Zertifizierung von der IONC GmbH (Internationaler Verein für naturnahe, ökologische und nachhaltige Lebenshaltung) durchgeführt. Die IONC ist eine unabhängige Prüfinstanz, die die Einhaltung der BDIH-Kriterien überwacht.
Wichtig: Das BDIH-Siegel wird produktbezogen vergeben, nicht markenbezogen. Das bedeutet: Nicht alle Produkte einer Marke sind automatisch zertifiziert, sondern jedes Produkt muss einzeln geprüft werden.
Die BDIH-Richtlinien im Detail
1. Rohstoffe
- Überwiegend pflanzliche Rohstoffe aus kontrolliert biologischem Anbau (KBA) oder kontrolliert biologischer Wildsammlung (KBW)
- Tierische Rohstoffe nur aus nicht-lebender Tiergewinnung (z.B. Bienenwachs, Lanolin, Milchprodukte)
- Verboten: Tierödle, tierische Fette aus toten Wirbeltieren
- Mineralische Rohstoffe erlaubt (Wasser, Salz, Tonerde)
2. Verbotene Inhaltsstoffe
- Silikone (Dimethicone, Cyclomethicone)
- Paraffine und andere Erdölderivate (Petrolatum, Mineral Oil, Paraffinum Liquidum)
- PEG-Verbindungen (Polyethylenglykole) und PEG-Derivate
- Synthetische Farbstoffe
- Synthetische Duftstoffe (nur natürliche Duftkompositionen erlaubt)
- Bestrahlung von Rohstoffen und Endprodukten
- Genetisch veränderte Organismen (GVO)
3. Herstellung und Verarbeitung
- Schonende Verfahren: Pflanzenpressung, Mazeration, Destillation — keine chemische Modifikation
- Erlaubte Prozesse: Verseifung (nur mit Alkalien), Sulfonierung (nur für Tenside), enzymatische Modifikationen
- Verboten: Schwermetall-katalysierte Reaktionen, radioaktive Bestrahlung
4. Tierversuche
Absolute Tierversuchsfreiheit — bei Endprodukten UND bei allen Rohstoffen. Keine Beauftragung von Tierversuchen durch Dritte. Dies geht über die gesetzlichen Anforderungen der EU-Kosmetikverordnung hinaus, die Tierversuche ohnehin verbietet.
5. Nachhaltigkeit und Soziale Verantwortung
- Förderung biologischen Anbaus und fairen Handels
- Bevorzugung regionaler Rohstoffquellen
- Biologisch abbaubare Formulierungen
- Umweltfreundliche Verpackungen
BDIH-zertifizierte Marken
Lavera
Einer der Pioniere der deutschen Naturkosmetik. Volle BDIH-Zertifizierung für fast alle Produkte. Bekannt für Sonne, Gesichts- und Körperpflege.
Lavera Produkte ansehen →Logona
Premium-Naturkosmetik aus Hannover. Besonders stark bei Haarpflege und dekorativer Kosmetik.
Logona Produkte ansehen →Dr. Hauschka
Anthroposophische Naturkosmetik von WALA Heilmittel GmbH. Vollständig BDIH- und NATRUE-zertifiziert.
Dr. Hauschka ansehen →Annemarie Börlind
Naturkosmetik aus dem Schwarzwald. BDIH-zertifizierte Gesichts- und Körperpflege mit hohem Wirkstoffgehalt.
Annemarie Börlind ansehen →Sante
Schwestermarke von Logona. BDIH-zertifizierte dekorative Naturkosmetik und Haarpflege.
Sante Produkte ansehen →Alverde (dm)
Eigenmarke von dm-drogerie markt. BDIH-zertifizierte Naturkosmetik zum Drogerie-Preis.
Alverde ansehen →Mehr Marken: Deutsche Naturkosmetik-Marken im Vergleich
BDIH vs. andere Naturkosmetik-Siegel
| Kriterium | BDIH | NaTrue | COSMOS | Ecocert |
|---|---|---|---|---|
| Ursprung | Deutschland (2001) | Belgien (2007) | EU (2010) | Frankreich (2002) |
| Bio-Anteil min. | Empfohlen | 15-20% | 20% | 10-95% |
| Synth. Konservierer | Nein | Nein | Eingeschränkt | Eingeschränkt |
| Silikone/Paraffine | Verboten | Verboten | Verboten | Verboten |
| Unabhängige Prüfung | Ja (IONC) | Ja | Ja | Ja |
Mehr zum Vergleich: Kosmetik-Siegel im Vergleich
Wie erkenne ich BDIH-Zertifizierung?
- Suchen Sie auf der Verpackung nach dem BDIH-Logo (grünes Siegel mit der Aufschrift „Kontrollierte Naturkosmetik")
- Prüfen Sie die INCI-Liste auf Abwesenheit von Silikonen, Paraffinen und synthetischen Duftstoffen
- Achten Sie auf die Kennzeichnung „BDIH-zertifiziert" in Online-Shops
- Sicherer Weg: Nutzen Sie unseren INCI-Decoder zur automatischen Prüfung
Kritik und Grenzen des BDIH-Siegels
Kein Siegel ist perfekt. Auch das BDIH-Siegel hat Grenzen:
- Kein vollständiger Bio-Anteil: Das Siegel fordert Bio-Rohstoffe, aber kein Mindestprozent wie NaTrue oder COSMOS
- Natur-Identische Stoffe erlaubt: Stoffe wie Citronensäure können synthetisch hergestellt werden, wenn sie natürlich vorkommen
- Verpackung nicht immer nachhaltig: Kriterien zur Verpackung sind weicher als zu Inhaltsstoffen
- Nicht international standardisiert: BDIH ist stark auf den deutschen Markt fokussiert, im Ausland wenig bekannt
FAQ
Was ist das BDIH-Siegel?
Ein deutsches Zertifikat für Naturkosmetik mit strengen Kriterien zu Rohstoffen, Verarbeitung und Tierversuchsfreiheit.
Welche Marken haben BDIH?
Lavera, Logona, Dr. Hauschka, Annemarie Börlind, Sante und Alverde (dm).
Ist BDIH dasselbe wie COSMOS?
Nein, aber verwandt. BDIH ist national, COSMOS europäisch. Seit 2017 gibt es eine Kooperation.
Sind bei BDIH synthetische Konservierer erlaubt?
Nein. Das ist einer der Hauptunterschiede zu Ecocert und COSMOS.
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